Magnetic Ghost Orchestra

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Spricht man heute noch von Wundern? Ein wenig gestrig klingt es, damals gab es jedenfalls noch die Wunderkinder und Weltwunder und in einem anderen Früher hat man sich als Kind fröhlich über das Noch-Nicht-Verstandene gewundert. Vieles scheint sich heute in eine verformelte und berechnete Welt eingeordnet zu haben, wo kein Platz mehr für einen Sinn für Wunder und fürs Wundern ist: alles verfestigt, berechenbar und beherrscht – von AI gar nicht zu sprechen.
Wenn das Magnetic Ghost Orchestra sein neues Album »Holding On to Wonder« ankündigt, gibt einem das Hoffnung. Zunächst einmal darf über die vorangegangenen zwei Alben »Sand« und »Magnetic Ghost Orchestra« gestaunt werden: die Kompositionen vom Berliner Gitarristen Moritz Sembritzki halten eine fantastische Balance zwischen Gil Evans, Frank Zappa und Grandmaster Flash. Der Big-Band-Sound wird durchkreuzt und kontrastiert von den beiden Frontsängerinnen, die mal einen klassischen Jazz-Sprechgesang anstimmen, mal opernhaft mit ihren Stimmen verzaubern. Und dann reibt sich das alles noch so wunderbar mit improvisierten Elementen, überlagert sich schief und findet am Ende doch seine eigene, neue Harmonie – nicht berechnet, ganz unerwartet, schön.
Vielleicht sollte man also doch noch von Wundern sprechen, das Festhalten am Wundern als kleine Anweisung zu einer möglichen Haltung für die Zukunft mit Musik verstehen. Wie auch immer es genannt wird: das Inkommensurable, Unsagbare, Aura oder eben Wunder, in den Konzerten des Magnetic Ghost Orchestra kann man es erfahren – aber eben auch nur, wer hingeht.