Line-up

Fallen Crooner

Männlichkeit als unumstößliche Entität hinterfragen.
Altes Stadtbad

Preise

VVK: 17/12 € zzgl. Gebühr
AK: 22/17 €

Kontrabassist und Komponist Robert Lucaciu defragmentiert in seinem neuesten Projekt das eigene, (cis-)männliche Selbstverständnis.

„Smash the Patriarchy!“ könnte hier zwischen den Zeilen stehen. Denn in Fallen Crooner defragmentiert der Kontrabassist und Komponist Robert Lucaciu sein eigenes, cis-männliches Selbstverständnis. Im Interview mit Sophie Emilie Beha spricht er über sein neuestes Projekt. 

Crooning beschreibt einen Gesangsstil der 20er-Jahre, der sich durch Intimität, Wärme und Samtigkeit in der Stimme auszeichnet. Wie kamst du darauf, das zu behandeln?

Robert Lucaciu: Ich singe gerne vor mich hin. Bei einem Soundcheck meinte ein Freund mal zu mir, dass ich ein richtiger Crooner wäre. Ich wusste erst gar nicht, was das ist. Aber dann habe ich bemerkt, dass ich mich diesem Gesang, so wie Belcanto oder Minnesang, sehr verbunden fühle. Außerdem stehe ich sehr auf die Ästhetik und die Bühnenpräsenz, auch wenn das so gar nicht aus mir rauskommen würde. Aber ich finde es trotzdem eine sehr interessante Zeit.

Dein Projekt heißt Fallen Crooner – es spielt also mit den Gegensätzen aus dieser Zeit: Auf der einen Seite säuselnde Romantik, auf der anderen das toxische Patriachat.

Ja, das hat sich in den 50er und 60er-Jahren dann noch mal krasser manifestiert. Vor allem auch, nachdem die Strömungen der 20er und 30er-Jahre durch den Zweiten Weltkrieg niedergeschlagen wurden. Eine spannende Ambivalenz.

Wie werden patriarchale Strukturen in Fallen Crooner verhandelt?

Ich versuche das auf der einen Seite sehr persönlich, auf der anderen Seite sehr abstrakt zu machen. Ich gehe dabei erstmal von mir aus, meinen Beobachtungen und Erlebnissen, aber ich bin nicht die Person, die auf der Bühne erzählt. Ich habe mich ganz bewusst für eine weiblich gelesene Person entschieden, die singt. Durch diese Ambivalenz entstehen verschiedene Schichten, durch die man die Inhalte betrachten kann. 

Kannst du für eine dieser Schichten ein Beispiel geben? Fallen Crooner arbeitet ja mit zwei Songs, drei Gedichten und drei eigenen Texten. 

Zum Thema street harassment haben Laura [Totenhagen] und ich gemeinsam einen Text von einer New Yorker Poetry Slam-Künstlerin gefunden, der auf humorvolle Art mit dem Thema verbale sexuelle Belästigung umgeht: Weil ihr Belästiger sagt, dass ihr Hintern sicher viel erzählen kann, schreibt sie ihm ein Gedicht. Sie ergießt sich darin in vielseitigen Beschreibungen von Furz-Geräuschen. Solche Themen bleiben aber auch immer etwas unkonkret und abstrakt. Am Ende machen wir eine ästhetische Show. Wir sind keine politischen, aktivistischen Künstler*innen.

Welche Klanglichkeit war dir wichtig?

Es sind ausschließlich Instrumente dabei, die den Ton noch gestalten können, nachdem er bereits angefangen hat zu klingen. Und Moritz [Baumgärtner] ist ein unglaublich gesanglicher Schlagzeuger, ein richtiger Belcanto-König. Außerdem habe ich mich sehr viel mit Doppelgriffen und erweiterten Spieltechniken beschäftigt – und in dieser Besetzung ist dafür viel Platz. 

Welche Rolle spielt Sexualität und Geschlecht in deinem Leben? 

Das spielt schon immer eine große Rolle. Mit vier Jahren habe ich mich für einige Zeit entschlossen, dass ich nun auch Franziska heiße. Dieses binäre System – männlich/weiblich – halte ich einfach für vollkommen widersinnig. Das macht auch vor meinem Beruf nicht Halt: Jazzmusik ist auf jeden Fall krass patriarchal geprägt. Ich habe vor diesem Projekt eine Zeitlang keine Musik gemacht. Und ich dachte mir: Wenn ich jetzt wieder anfange, dann mit etwas richtig Persönlichem.

  • Text: Sophie Emilie Beha

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