JAZZKALENDER

Simon Lucaciu – Torsion (Album des Monats 09/26)

Improvisation ist ein – zumal im Jazz-Kontext! – oft gebrauchter wie zugleich weit gefasster Begriff. So kann sie sich etwa im dynamischen Wechselspiel mit einer kompositorischen Grundlage innerhalb einer bereits definierten musikalischen Form bewegen. Oder aber sie selbst wird zur Form, die sich erst im Prozess des Spielens entwickelt.

Ein Prototyp letzteren Beispiels ist das neue Soloalbum »Torsion« von Simon Lucaciu. 14 Stücke umfasst das mit Piano und Electronics bewusst minimalistisch aufgenommene Album – mal kurze, nur wenige Akkordfolgen umfassende Miniaturen, mal längere Improvisationen, die sich entfalten, durchkreuzen und schließlich wieder selbst einholen.

So knüpft der Gewinner des Leipziger Jazznachwuchspreises 2023 mit »Torsion« an die freie, expressionistischen Form seiner Nonett-Besetzung »Capacity of Movement« an, mit der er im Frühjahr dieses Jahres im Rahmen der »Jazzclub Live«-Reihe gastierte. Zugleich treibt er sie auf die Spitze: Denn wiederkehrende Motive sucht man vergebens, kurze Momente harmonischen Wohlklangs werden stets durch dissonante Einwürfe konterkariert. Die musikalische Suche wird somit nicht zum Mittel, sondern zum Zweck erhoben. Eine mutige wie gleichsam spannende Intervention!

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