Jazzkalender #352

Let’s talk about Jazz…und viele, viele Namen

Jazzkalender September
Jazzkalender September

»Lebe den Moment!«, werden Kalendersprüche und Meditationsapps nicht müde zu betonen. »Ja doch!«, entgegne ich nicht frei von Ungeduld – wohlwissend, diesem ja in der Tat sehr weisen Rat gerade in dieser Jahreszeit mal wieder überhaupt nicht gerecht zu werden. Denn: Die 50. Leipziger Jazztage stehen vor der Tür! Und das heißt für das auf Hochtouren laufende Team des Jazzclub Leipzig, so gar nicht im Moment, sondern in gewisser Weise in der Zukunft zu leben. Was zugegebenermaßen kosmischer klingt, als es ist.

Doch kommen wir von der naturgemäß komplizierten Dialektik zwischen Theorie und Praxis zu den schönen Dingen des Lebens – zum Beispiel der Musik! Denn davon gibt es in Leipzig diesen Herbst natürlich wieder reichlich. Die Frage ist: Wo fangen wir an? Vielleicht ganz von vorne – bei Conny Bauer. Als er 1976 bei den 1. Leipziger Jazztagen spielte, waren gerade einmal zwei der aktuell neun Angestellten des Jazzclub Leipzig geboren. Und jene beiden hatten nach eigenem Bekunden als Grundschul- bzw. Kleinkinder noch kein ausgeprägtes Interesse an der virulenten Free-Jazz-Szene der DDR entwickelt, in der Bauer sich damals tummelte. Das Konzert verpassten sie folglich. Vielleicht ahnt ihr, worauf ich hinauswill: Das Ganze ist »verdamp lang her«!

Umso erstaunlicher also, dass Bauer – mittlerweile 83 Jahre alt – noch immer vor Tatkraft strotzt. Alle diesbezüglichen Zweifel wird er am 20. Oktober in der Schaubühne Lindenfels zerstreuen. Denn dort wird er gemeinsam mit dem finnischen Gitarristen Kalle Kalima und der US-amerikanischen Schlagzeug-Legende Hamid Drake vor der dann mit Sicherheit vollständig versammelten Jazzclub-Belegschaft gastieren. Doch damit nicht genug: Denn im Anschluss wird zudem die Formation serenatas disponibles um den New Yorker Avantgarde-Musiker Brandon López spielen, der sein neues Programm gemeinsam mit Mat Maneri und Sun-Mi Hong präsentieren wird.

Viele Namen, ich weiß! Warum also nicht gleich noch ein paar mehr nennen? Zum Beispiel die von Charlie Hunter und Ella Feingold, die am 17. Oktober in Duo-Besetzung ein »Meisterwerk des minimalistischen Funk« präsentieren werden, das im vergangenen Jahr nicht nur zahlreiche Medien, sondern unter anderem auch Raphael Saadiq, Johnny Marr, Lenny Kravitz und Bill Frisell begeistert hat. 

Apropos Frisell: Dieser wird sich am 22. des kommenden Monats im Rahmen unseres Lieblingsfestivals selbst zum Geburtstag gratulieren. Und zwar im Schauspielhaus Leipzig, wo er im Trio mit Tim Angulo und Luke Bergmann spielen wird. Nun könnte ich wiederum mit Bergmann weitermachen, der…

…aber ja, ihr habt Recht: das alles ist Zukunftsmusik. Und Dorothea, die so fürsorgliche wie zugleich unnachgiebige KI-Frau aus der Meditationsapp meines Vertrauens, hat mich gerade zurecht ermahnt, den Fokus wieder auf das Hier und Jetzt zu richten. Dem möchte ich natürlich unverzüglich Folge leisten.

Viel Freude also mit der September-Ausgabe des Jazzkalender, die wieder randvoll mit Konzert-Terminen und -Tipps steckt. Und allen, die den Blick doch schon über den Tellerrand richten möchten, sei abschließend noch gesagt: Der PreSale für die 50. Leipziger Jazztage beginnt am 3. September!

Sorry, Doro!

Bis bald, 

Luca

Jazzkalender-Redaktion

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