Johanna Summer – Dialoge (Album des Monats 07-08/26)

Das erwartbar Unerwartete ist Johanna Summer gelungen. Sie hat sich für dieses Projekt dem Unvorhergesehenen ausgesetzt, indem sie sich mit den eingeladenen Gastpianist:innen nie abgesprochen hat – Claire Huangci, Danae Dörken, Kit Armstrong und Igor Levit haben Stücke mitgebracht, die Sprungbretter für verschiedenste Klanggespräche bildeten. Wie bei ihr nicht anders zu erwarten, erweist sich Summer dabei mehr als redegewandt und unterstreicht ihren gegenwärtigen Höhenflug durch die Jazzszene.
Genau wie auf ihren vorherigen ACT-Alben sind Werke klassischer Musik der Ausgangspunkt des Spiels. Schubert, Machaut und Theodorakis klingen an und Summer zeigt ihre Virtuosität auf »Blutmond« – eine scharfsinnige Verfremdung von Beethovens Mondscheinsonate. Wer hätte gedacht, dass sich dieses bis zum Gehtnichtmehr durchgespielte Stück nochmal so originell interpretieren ließe?
Am Ende der Aufbruch – auf »Departure« verabschiedet sich Summer von den Dialogen, steigt allein hinauf in das klirrend-schöne, obere Register vom Klavier. So hinterlässt sie mit diesem Album eine musikalische Botschaft, die wohl nur ein abgewandelter Satz von Hannah Arendt treffend ausdrücken könnte: Schönheit gibt es nur zu zweien.
Lennart Winterkemper



