Joel Ross’ Good Vibes

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Gospel meets Post-Bop: Joel Ross gehört zu den aufregendsten Vibraphonisten seiner Generation. In der Philippuskirche präsentiert er sein neues Album »Gospel Music«.
Improvisation, so sagte Joel Ross einmal, habe er in der Kirchenband gelernt. Dort fand der zunächst am Schlagzeug ausgebildete Musiker im Alter von zehn Jahren über Umwege zum Vibraphon – eine Wendung, die seinen weiteren Weg entscheidend prägen sollte. Denn innerhalb weniger Jahre entwickelte er sich zu einer der bemerkenswertesten Stimmen der internationalen Jazzszene.
Nun, mit gerade einmal 30 Jahren, kann er bereits auf eine umfangreiche Diskographie zurückblicken: So arbeitete er in den vergangenen Jahren unter anderem mit Herbie Hancock, Wynton Marsalis, Jon Batiste und Gerald Clayton zusammen. Und wenngleich er in dieser Zeit bereits einige beachtliche musikalische Entwicklungen vollzogen hat – von der Virtuosität früher Jahre über die kollektive Improvisation bis hin zu rhythmisch komplexeren Werken – hat er seine Wurzeln zugleich nicht vergessen.
Deutlich wurde das bereits vor zwei Jahren mit seinem Album »nublues«, auf dem Ross sich ungewohnt melodisch und zugänglich zeigte. Er, der in den Jahren zuvor mit beeindruckender Technik und halsbrecherischen Arrangements auf sich aufmerksam machte, brillierte plötzlich mit musikalischer Reduktion. In einem Interview beschrieb er es als persönliche Herausforderung, »Musik zu schreiben, die zugänglich ist, der Menschen folgen können«.
Diesen Weg setzt er nun konsequent fort: Denn mit dem Anfang des Jahres erschienenen »Gospel Music« hat er ein fulminantes, 80-Minuten langes Epos geschaffen, das bereits als zukünftiger Klassiker des Spiritual Jazz gehandelt wird. Die Erzählkraft des Gospels verbindet Ross darauf auf wundersame Weise mit der rhythmischen Energie des Post-Bop.
Kein Wunder also, dass der DownBeat euphorisch resümierte, er schreibe »die Regeln der Gospelmusik neu«. Mit seinem Konzert in der Philippuskirche findet diese Verbindung von Jazz und Spiritualität nun einen ebenso symbolträchtigen wie akustisch eindrucksvollen Rahmen.



