Donnerstag, 11.10.2018
20:00 Uhr
diverse Orte in Leipzig
42. Leipziger Jazztage »Fish and Chips«

42. Leipziger Jazztage »Fish and Chips«

Die Jazztage reichen in diesem Jahr »Fish and Chips«. Unter der Schirmherrschaft von Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung bringt das Festival an 10 Tagen und 10 Spielorten weit über 100 internationale MusikerInnen zusammen auf die Bühne, die sich nicht nur dem musikalischen Erbe Großbritanniens, sondern auch seiner jungen, vielversprechenden Jazzszene widmen. Denn wir sind davon überzeugt, dass sich nach Jahrzehnten der britischen Pop-Dominanz (Beatles, Stones, Bowie, Sex Pistols, Depeche Mode, Oasis…) in jüngster Vergangenheit unglaublich vielseitiger Jazz aus Großbritannien an die Oberfläche schiebt. Deshalb geben wir unserem Festival erstmals seit über zehn Jahren wieder einen Länderschwerpunkt. »Fish and Chips« verspricht nicht nur ein künstlerisch reizvolles Festival, sondern es ist auch Ausdruck dessen, was wir seit wenigen Jahren beobachten: Jazz wird wieder heterogener und er wird gesellschaftlich ambitionierter, er spiegelt wieder verstärkt den Zeitgeist. In diesem Sinne verstehen wir »Fish and Chips« auch als ein kreatives Beschwören der europäischen Idee. Und wer beschwört nun mit uns auf der Bühne?

 

Zäumen wir doch den Fisch mal von hinten auf: Zum Festivalhöhepunkt (und -abschluss) spielen am 20. Oktober im Opernhaus der Miles-Davis-Bassist Dave Holland mit seinem Allstar-Quartett AZIZA (mit Chris Potter, Lionel Loueke und Eric Harland), die Grande Dame des britischen Jazz, Norma Winstone, mit ihrem aktuellen Trio sowie der anlässlich von 70 Jahren Israel der israelische Trompeter Avishai Cohen mit seinem von ECM bekannten Quartett. Einen Tag vorher gibt es ebenfalls einen großen Konzertabend – am 19.10. im Westbad mit Joshua Redman’s JAMES FARM (mit Aaron Parks, Matt Penman und Eric Harland) sowie Max Andrzejewskis Band HÜTTE, die eigens für unser Festival mit Gästen ein Tribute an die Soft-Machine-Legende Robert Wyatt

 

Am Mittwoch, dn 17.10. kommt es im Schauspielhaus zu einer ganz besonderen Begegnung: Matthew Herbert’s Brexit Big Band trifft dort einmalig auf Musiker der HMT und das Vocalconsort Leipzig und liefert den Soundtrack zum Brexit – und ein Beispiel für internationale künstlerische Zusammenarbeit. Den zweiten Teil dieses Dopelkonzerts bestreitet die junge Londoner Trompeterin Yazz Ahmed, die aus ihren britischen und bahrainischen Wurzeln analog-elektronischen Jazz des 21. Jahrunderts formt.

 

Bereits am ersten Festivalwochenende kommt es zu einer weiteren einzigartigen deutsch-britischen Kooperation: Michael Wollny, Leafcutter John und Alex Nowitz konstruieren dabei mit Piano, Elektronik und gesprochenem Wort »Goldberg-Tangenten« in den Koordinaten Johann Sebastian Bach, Glenn Gould und Thomas Bernhard. Das ganze passiert im Kunstkraftwerk am Samstag, den 13.10. – im Doppelkonzert mit dem Preisträger des BMW Welt Young Artist Jazz Award 2018, der Münchner Groove-Jazz-Formation Fazer. Der Leipziger Jazznachwuchspreisträger 2018 hingegen eröffnet das Festival am 11.10. im UT Connewitz – wer’s wird, steht noch nicht fest. Wer nach der Verleihung und dem Preisträgerkonzert aber den Abend abrundet, steht sehr wohl fest, nämlich eine der coolsten Bands des jungen britischen Jazz: Empirical.

 

Wer die Jazztage genauer kennt, weiß natürlich, dass Sternstunden insbesondere nachts „drohen“. Und auch diesmal versprechen die Festival-Nachtkonzerte auf kleinen Bühnen Großes: der Berliner Drummer Oli Steidle kommt mit seinen Punk-Noise-Jazz-Freunden, den Killing Popes in die naTo (11.10.), genau wie die junge Hamburger Saxophonistin Anna-Lena Schnabel mit Flo Weber, James Benner und James Maddren (18.10.) und Helmut ‚Joe‘ Sachse mit Maggie Nicols, die ihre »Nevergreens« im Gitarren-Stimmen-Duo wiederbeleben (19.10.). Der englische Pianist Kit Downes spielt ein Solokonzert an der Orgel der Liebfrauenkirche (13.10.) und der Berliner Gitarrist Christian Kögel verwandelt zum Festivalabschluss Queens siebtes Album endlich in das, wonach es banannt ist: »Jazz« (20.10.).

 

Zum traditionellen »Stage Night Special« im Horns Erben widmet sich die junge Leipziger Band Milk Wood um den Sänger Matthias Boguth Texten des walisischen Schriftsllers Dylan Thomas (15.10.). Außerdem gastiert der gefeierte britische Pianist Elliot Galvin mit Trio in der naTo (18.10.) und das Hidden Orchestra kehrt nach Jahren zurück auf die Jazztage-Bühne (16.10. UT Connewitz).

Newsletter abonnieren