JAZZKALENDER

Lotterleben – Flosse (Album des Monats 03/26)

Wer das Wort Lotterleben in den Mund nimmt, will ein pflichtbefreites, faules Leben abwerten. Der Ausdruck ist gestrig, sein Inhalt gegenwärtig? Nach der abwegigen Debatte um die vermeintliche »Lifestyle-Teilzeit« könnte man das zumindest meinen.

Da hilft manchmal nur, das neoliberale Geraune abzuschalten und der klingenden Kunst ein Gehör zu schenken.

Nach »Anomia« ist dieses das zweite Album der aus Leipzig und Dresden stammenden Band. Auf den ersten Blick verraten Titel wie »Hallenjojo« und »Eisbärenparade« schon den humorvollen Ansatz des Kollektivs. Jenes Lebensgefühl wird durch ruhig vorantrabende Beats lässig von Johannes Fricke am Bass und Tim Gerwien an den Drums widergespiegelt. Doch nicht für lange, der Müßiggang strauchelt und überschlägt sich in eine wilde, tanzbare Gruppenimprovisation. Dass es da bisweilen unordentlich bis chaotisch zugeht, ist großartiger Stil, kein Manko – die verspielten und freien Soli von Max Diller an der Trompete und Hannes Kempa am Saxofon legen davon ein Zeugnis ab. 

Diese Ausbrüche werden daraufhin wieder auf Tracks wie: »Lotterleben« oder »Dyonisos« eingeholt, ihr gelassener Sound stimmt nachdenklich. Gerade in dieser Aufeinanderfolge von ruhiger Selbstbesinnung und ungezwungenem Spiel gibt »Lotterleben« ein wohltuendes Gefühl von Leichtigkeit mit Tiefgang zur rechten Zeit.

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