BELLS ECHO IIIIINTERIIIIIM
Am Anfang war der Aulos. So oder ähnlich könnte eine Musikgeschichte ansetzen, ist diese Doppelflöte eines der ersten mythologisch überlieferten Instrumente aus der Antike. Lukas de Clerck forscht, spielt und rekonstruiert es: lange Zeit existierte der Aulos physisch nicht und durch diese kleine Renaissance schafft er es nun, einen eigentümlichen Sound hervorzubringen – dröhnend, hypnotisch wie beeindruckend zugleich.
Die norwegische Klangkünstlerin Ellen Arbro ist hingegen am anderen Ende der Geschichte verortet. Der Minimalismus aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die Musik von La Monte Young und Marian Zazeela, bei denen sie selbst auch Unterricht bekam, klingen in ihren träumerischen Experimenten hindurch. Flächig wie der Aulos, harmonisch intrikater auf der Orgel vorgeführt.
Dass beide in der Evangelisch Reformierten Kirche zu Leipzig auftreten, ist ganz im Sinne der Reihe »Bells Echo«, welche im vergangenen Jahr ihr 10-Jähriges feierte. In diesem sakralen Raum erschallen mythologische Echos und experimentelle Klangkunst in ihrer vollen Geltung. Ein numinoses Ereignis – eindringlich und erhaben im Angesicht von imposanter Architektur genießbar.


