Jazzkalender #353

Let’s talk about Jazz…und die Geschichten hinter dem Jubiläum

JK OKT
JK OKT

Leipzig, Mitte der 1970er-Jahre: Ein Vakuum prägt die städtische Szene dieser Zeit. Denn während es ein großes Jazz-affines Publikum gibt, das die musikalischen Entwicklungen auf internationaler Ebene genau verfolgt, ist das Liveprogramm vor Ort von nationalen Acts geprägt. Miles Davis, Alice Coltrane oder Herbie Hancock: Die prägenden Figuren des internationalen Jazz kann man zu dieser Zeit in der DDR – wenn überhaupt – nur in Ostberlin sehen.

Was also tun? Eine kleine Clique junger Leute hat eine Idee: »Wenn wir keine Gelegenheit haben, dahin zu fahren, wo der Jazz ist, dann holen wir ihn zu uns, nach Leipzig«, sagt sich damals Stephan Kämmerer. Mit ihm und weiteren Zeitzeugen habe ich für unser Audiowalk-Projekt »Jazz im Ohr« über die Geschichte der frühen Leipziger Jazztage gesprochen. Darin geht es um die Anfänge des Festivals und visionäre Ideen, aber auch um die obligatorischen Schwierigkeiten mit den damaligen Behörden. Diesen sei man, so berichtete mir unser heutiges Jazzclub-Ehrenmitglied Steffen Pohle, mit »Selbstbewusstsein und Unverfrorenheit« begegnet.

Mit Erfolg: Denn innerhalb weniger Jahre wurden die Leipziger Jazztage zu einem wichtigen Faktor der Jazz-Szene – und zwar nicht nur auf nationaler, sondern auch auf internationaler Ebene. Wer den Spuren des Festivals über die vergangenen 50 Jahre folgen möchte, kann ab dem 18. Oktober an sechs Stationen auf Entdeckungsreise gehen – bei einer geführten Tour oder ganz bequem und zeitlich ungebunden mit der App eurer Wahl.

Wie sehr die verschiedenen Zeitebenen unseres Festivals bis heute miteinander verschränkt sind, zeigt beispielhaft das Globe Unity Orchestra. Bereits 1981 gastierte es im Rahmen der 6. Leipziger Jazztage. Wer damals dabei war, hat auch heute, 45 Jahre später, beim Erzählen noch ein Leuchten in den Augen (keine Floskel, ich habe es genau so erlebt!). Für uns war das Grund genug, das älteste Free-Jazz-Orchester der Welt für unser Jubiläum zurück nach Leipzig zu holen. Am 17. Oktober wird es in der Oper Leipzig die 50. Leipziger Jazztage eröffnen. Ein Auftakt, dem noch viele Highlights folgen werden.

An dieser Stelle könnte ich nun anfangen, ausführlich von Charlie Hunter & Ella Feingold, von ADHD und Bauer/Kalima/Drake, von Jason Moran und Sorvina und vielen weiteren Acts zu schwärmen – denn sie alle sind Teil unseres diesjährigen Festival-Line-Ups. Allein: Die von unserem Grafiker Tobi vorgegebene Zeichenanzahl ist bereits fast ausgeschöpft. Und bevor ich ihn wieder vor die unlösbare Aufgabe stelle, drei Seiten Text auf einer Seite unterzubringen, verbleibe ich mit einem freundlichen Hinweis darauf, dass unser Festivalprogramm im zweiten Teil dieser Jazzkalender-Ausgabe vollständig aufgelistet ist.

Weitere ausführliche Informationen zu den Konzerten und Tickets findet ihr auf unserer Homepage sowie in unserem Festivalprogrammheft, das ab sofort an zahlreichen Orten in der Stadt ausliegt.

Eine frohe Lektüre und Festivalzeit!

Bis bald,

Luca

Jazzkalender-Redaktion

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