Let’s talk about Jazz… und dessen Aktualität

Vielleicht, weil sich in Teilen des sich selbst als kultiviert gerierenden Yuppie-Milieus noch nicht herumgesprochen zu haben scheint, dass natürlich auch der Jazz längst im 21. Jahrhundert angekommen ist. Oder aber deshalb, weil ich für viele Menschen vordergründig mit ganz anderer Musik assoziiert werde: Post Punk, Synth Pop, Ambient, und so weiter.
In solchen Momenten möchte ich dann in der Regel am liebsten zu einem (sehr!) langen Monolog über die Weite des Jazz-Begriffs ansetzen, oder – je nach Gemütslage – fluchtartig den Raum verlassen. Es gibt aber auch noch eine dritte, mutmaßlich viel wirkungsvollere Option: Das Gegenüber auf ein »Jazzclub«-Konzert einladen.
Der April bietet dafür mal wieder eine – nein, sogar drei – gute Gelegenheiten. Da wäre zum Beispiel das Konzert des Duos Gołos x Jasinska, das in seinen minimalistischen Liveshows eine intime, geradezu zerbrechliche Atmosphäre erschafft. Wer am 13.04. verhindert sein sollte, kann einem einerseits leidtun, sich andererseits aber stattdessen den 19.04. im Kalender markieren: Dann nämlich wird die Wahlberlinerin Lucia Cadotsch mit ihrem Projekt LIUN in der naTo gastieren. Im Gepäck hat sie ihr neues Album »Does it make you love your life?«, das sich einmal mehr im Feld experimenteller Popmusik bewegt und Erinnerungen an Acts wie Talking Heads oder Kate Bush wach werden lässt.
Für einen gänzlich unpoppigen Ansatz hat sich hingegen Simon Lucaciu mit seinem neuen Projekt »Capacity Of Movment« entschieden, das sich musikalisch aus Elementen von Neuer Musik, Jazz und Elektronik speist. Am 11.04. gastiert das neun-köpfige Ensemble in der Kulturnhalle.
Apropos Lucaciu: Dessen Bruder Robert wurde gerade nicht nur völlig verdient in zwei Kategorien (Saiteninstrumente/ Live-Act des Jahres) für den Deutschen Jazzpreis nominiert, sondern hat kürzlich mit »Fallen Crooner« auch ein neues, sehr hörenswertes Album veröffentlicht. Was es mit dem Projekt auf sich hat, könnt ihr in der »Album des Monats«-Besprechung nachlesen.
Nicht unerwähnt lassen wollen wir außerdem die Freiberger Jazztage sowie die jazzahead! in Bremen, die in diesem Monat ihre 50. bzw. 20. Festival-Ausgabe bestreiten werden – und damit das Jahr der Jazz-Jubiläen einläuten. Denn wie ihr wisst, werden auch wir mit den Leipziger Jazztagen im Herbst dieses Jahres runden.
Doch step by step. Und jetzt erst mal: Eine frohe Lektüre!
Bis bald,
Luca
Jazzkalender-Redaktion
