Jazzkalender #346

Let’s talk about Jazz…New York & Wurzen

Jazzkalender Februar

»Sie blühen im Unbekannten und finden Schönheit in der Improvisation«, fasste Herbie Hancock einst treffend den gemeinsamen Nenner zwischen dem Jazz und der US-Metropole zusammen. Bis heute scheint es unmöglich, die beiden Phänomene getrennt voneinander zu fassen. Jazz ist New York ist Jazz. Eine möglicherweise unterkomplexe, zumindest gefühlt aber wahre Gleichung.

Wer Zweifel an ihrer Gültigkeit hat, kann sich im Februar eines Besseren belehren lassen: Denn das aus NYC stammende Dan Weiss Quartet gastiert am 5. Februar im Rahmen unserer »Jazzclub Live«-Reihe im Kulturhof Gohlis. Seit vielen Jahren gehört dessen Bandleader zur internationalen Sperrspitze des Jazz‘. Ein Blick auf die hochkarätige Besetzung macht klar, dass ihm auch seine Mitstreiter:innen in nichts nachstehen. Wer die Vibraphonistin der Formation – Patricia Brennan – im Rahmen der vergangenen Leipziger Jazztage erlebt hat, wird wissen, wovon ich rede.

Apropos Jazztage: Dort feierte auch die Doku »Being Hipp – First Lady of European Jazz« ihre Premiere. Der Film beleuchtet das Leben und Wirken der aus Leipzig stammenden Pianistin Jutta Hipp, die später als erste deutsche Jazzmusikerin Karriere in den USA machte. Genauer in: natürlich, New York. Nun ist die Doku nach langem Warten auch für die Allgemeinheit zugänglich: Ab dem 27.01. kann sie in der arte-Mediathek abgerufen werden.

In die US-Metropole hatte es einige Jahre vor Hipp bekanntermaßen auch den von den Nazis verfolgten Komponisten Kurt Weill gezogen. Bis heute gilt er als bahnbrechender Innovator und Grenzgänger zwischen E- und U-Musik. Dass sein Werk bis in die Gegenwart fortwirkt, bezeugt nicht zuletzt das in seiner Geburtsstadt Dessau ausgetragene Kurt Weill Fest, das in diesem Jahr vom 28.02.-16.03. stattfinden wird.

Das Festival unterstreicht einmal mehr, dass man große Kunst nicht selten auch an kleinen Orten erleben kann. Den Saxofonisten Manfred Hering zum Beispiel hat es nie nach New York gezogen. Stattdessen lebte er in Wurzen, wo er sich dem renommierten Jazz Rough Guide zufolge zu einem der »namhaftesten freien Improvisatoren der ehemaligen DDR« entwickelte. Bis zuletzt war Hering musikalisch aktiv. Ende November ist er im Alter von 86 Jahren verstorben. Ihm zu Ehren veranstaltet der LeipJAZZig e.V. am 1. Februar ein Gedenkkonzert mit ehemaligen Weggefährten im Theaterhaus Schille, dessen Besuch hiermit ausdrücklich empfohlen werden soll.

Alle weiteren Empfehlungen für den Februar könnt ihr den folgenden Seiten entnehmen. Dort findet ihr auch das obligatorische »Album des Monats«, das zwar nicht aus New York stammt, dafür aber sehr danach klingt. Doch lest selbst!

Bis bald,

Luca

Jazzkalender-Redaktion

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