Jazzkalender #342

Let’s talk about Jazz… und blühende Klanglandschaften

Musik ist Bewegung – durch Zeit und Raum, durch Körper und Kulturen. Und sie ist grenzenlos. Nicht umsonst gibt es im Englischen das geläufige Wort der »Soundscapes« (zu dt: Klanglandschaften). Und wie für alle anderen vielfältigen Landschaften gilt auch hier: In der Blüte symbolisiert sich ihre Fortexistenz. Widersetzt man sich dieser basalen Einsicht, schottet man sie von ihrer Umwelt ab und errichtet akustische Mauern und Stacheldrähte, verkümmert sie.

Jazzkalender SEPTEMBER

An diese Einsicht knüpft auch das neue Programm »Fundamental Interactions« der serbischen Jazzsängerin Jelena Kuljić an. Darin verknüpft sie Elemente aus Jazz, Elektronik, Avantgarde und Poesie und dekonstruiert durch diese Form des musikalischen Kosmopolitismus implizit auch Grenzen geographischer Natur. Zugleich feiert sie damit das Ende des Bosnien-Krieges, das sich in diesem Jahr zum 30. Mal jährt. Am 15.10. wird sie das Programm live auf der Bühne präsentieren – und zwar bei uns im Rahmen der 49. Leipziger Jazztage.

Diese werden in diesem Jahr passenderweise unter dem Festivalmotto »Mapping Music« firmieren. Und wenngleich wir aktuell noch an der Finalisierung des Line-Ups arbeiten, freuen wir uns, neben Kuljić bereits einige weitere Acts in das Licht der Öffentlichkeit zu entlassen.  So wird der südafrikanische Pianist Nduduzo Makhathini im Zusammenspiel mit dem karibischen Jazzmusiker Shabaka Hutchings unter Beweis stellen, dass er die Auszeichnung in der Kategorie »Live Act des Jahres international« im Rahmen des diesjährigen Deutschen Jazzpreises zweifellos verdient entgegen genommen hat.

Sein Vorgänger in dieser Kategorie war im Jahr 2024 ein US-amerikanischer Kollege, und zwar der Saxofonist Immanuel Wilkins, der international mittlerweile zweifellos zu den renommiertesten Vertretern der zeitgenössischen Jazzszene gezählt werden kann. Und guess what? Auch er wird die Jazztage in diesem Jahr mit einem Konzert beehren. Genauso übrigens wie die estnische Musikerin Kirke Karja, deren Konzert wir darüber hinaus mit einem Panel über die europäische Sicherheitsarchitektur und die Frage, welche Konsequenzen sich daraus für die europäische Kulturszene ableiten lassen, verknüpfen werden.

Doch all das ist aller berechtigten Vorfreude zum Trotz gerade noch vor allen eins: Zukunftsmusik. Widmen wir uns also nun erst mal dem September – der nach der traditionellen konzertanten Sommerflaute wieder eine Fülle an unbedingt empfehlenswerten Live-Terminen bereithält. Welche, das erfahrt ihr auf den folgenden Seiten. Dort findet ihr wie immer auch unser »Album des Monats«. Dieses weist dieses Mal zwar ausnahmsweise keinen Lokalbezug auf, ist aber trotzdem nicht ganz zufällig in der vorliegenden Ausgabe gelandet…

In diesem Sinne wünschen wir: Frohes Stöbern, Blättern und Blühen!

Bis bald,

Luca

Jazzkalender-Redaktion

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