Jazzkalender #349

Let’s talk about Jazz, DJ Bobo und andere Jahreshighlights

Jazzkalender Mai
Jazzkalender Mai

Traditionen und Jubiläen sind inmitten des medialen Jahrmarktgeschreis der Gegenwart die harte Währung. Und so wird dieser Tage auch auffallend oft Miles Davis, dem »Prince of Darkness«, gedacht, der am 26. Mai 100 Jahre alt geworden wäre. Dabei war seine tiefsitzende Skepsis der Musealisierung von Kunst gegenüber kein Geheimnis. » Ich habe nie gedacht«, sagte er etwa einmal, »dass Jazz dazu bestimmt ist, ein Museumsstück zu sein wie andere tote Dinge, die einst als Kunst galten.«

Dito, Miles, möchte man ihm da direkt beipflichten. Schließlich sind die Dinge im Fluss, und nie ganz auf einen Begriff zu bringen. Doch in Anlehnung an Deutschlands beliebtesten Frühstücksfernsehphilosophen bleibt eines trotzdem offen: »Was ist Jazz, und wenn ja, wie viele?«. 

Eine zwar nicht wortgleiche, aber ähnliche Frage habe ich kürzlich Götz Bühler, dem künstlerischen Berater der Bremer jazzahead!, in einem gemeinsamen Interview gestellt. Schließlich ist das Festival, das mit der diesjährigen April-Ausgabe sein 20. Jubiläum beging, seit jeher für sein genreübergreifendes Booking bekannt. Bühlers so einfache wie schlaue Antwort: »Jazz ist, was Musiker:innen selbst so definieren.« Hätte man eigentlich auch selbst drauf kommen können. 

Sein Definitionsversuch ließe sich ebenfalls gut auf die »Jazzclub Live«-Reihe übertragen, die natürlich auch im Mai Verheißungsvolles an den Start bringt: So konnten wir in Kooperation mit dem UT Connewitz die kolumbianische Experimentalmusikerin Lucrecia Dalt für einen Auftritt in der Messestadt gewinnen. Einst als Bauingenieurin tätig, errichtet sie heute elektronisch grundierte Klangarchitektur, die von einer bemerkenswerten konzeptionellen Tiefe geprägt ist. Was zugleich auch für den Sound von Friederike Bernahrdt aka Moritz Fasbender gilt, die den Abend am 20. Mai eröffnen wird. Dass man diese Doppelshow, die schon jetzt das Potenzial für das »Konzert des Jahres 2026« hat, besser nicht verpassen sollte, muss wohl kaum hinzugefügt werden.

Wer nun eh auf dem Sprung zur Ticketverkäuferin des Vertrauens ist, kann dort gleich die Zugangsberechtigung für das nächste Jahreshighlight erwerben. Nein, gemeint ist damit nicht das Konzert von DJ Bobo, der am 2. und 3. Mai zu einem, nun ja, fragwürdigen »Great Adventure« in die Quarterback Immobiilien Arena einlädt. Vielmehr ist die Rede von Ava Mendoza und ITOE, die am 30. Mai zu einem »Jazzclub Live«-Doppelkonzert in der naTo zusammentreffen.

Was der Mai sonst noch so zu bieten habt? Vom Women in Jazz über das Interzone bis zu den Görlitzer Jazztagen eine ganze Menge! Doch wie immer gilt: Lest selbst!

Bis bald,

Luca

Jazzkalender-Redaktion

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