JAZZKALENDER

Robert Lucaciu – Fallen Corner (Album des Monats 04/26)

Gefühlvoll, charmant, sensibel: Inmitten der turbulenten 1920er Jahre trat mit dem »Crooner« ein neuer Idealtypus großstädtischer Männlichkeit hervor, dem im Laufe der Zeit Sänger wie Frank Sinatra und Nat King Cole zu enormer Popularität verhalfen. Knapp 100 Jahre später scheint er jedoch ausgedient zu haben.

Das zumindest legt das Projekt »Fallen Crooner« um den Leipziger Kontrabassisten Rober Lucaciu nahe, der mit dem gleichnamigen Album kürzlich einen kritischen Diskurs über etablierte Männlichkeitsbilder initiiert hat. Zur Seite steht ihm dabei ein hochkarätig besetztes Sextett um Musiker:innen wie die Sängerin Laura Totenhagen und die Posaunistin Shannon Barnett. Die vielfältigen Klangfarben des Jazz erweisen sich dabei als adäquates Medium, um der Komplexität und Widersprüchlichkeit gelebter Geschlechtlichkeit Ausdruck zu verleihen.

So variiert die Formation im Laufe der 13 Songs zwischen smoothen, eher klassisch orientierten Jazz-Tunes wie dem Opener »Imposter« und virtuosen Kunstgriffen wie »Streams« oder »Lonely Woman«. Gerade in letzteren offenbart Lucaciu, dass er kürzlich nicht ganz zufällig für den diesjährigen Deutschen Jazzpreis in der Kategorie »Saiteninstrumente« nominiert wurde.

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