»Ich kann Sterne sehen«: Zum Tod des Pianisten Richie Beirach

Einst spielte er mit Chet Baker und Stan Getz. Später verlieh er der Jazzmetropole Leipzig als Professor neues Renommee. Nun ist der große Pianist und Komponist Richie Beirach im Alter von 78 Jahren gestorben.
Im New York der fünfziger und sechziger Jahren aufgewachsen, wurde ihm der Jazz gewissermaßen in die Wiege gelegt. Früh machte er dort Bekanntschaft mit Jazzgrößen wie Dave Liebman oder Jack DeJohnette. Neben seinem Wirken als Sideman trat er ab 1976 auch regelmäßig als Bandleader und Solomusiker in Erscheinung.
Allem internationalen Prestige zum Trotz war ihm jeder Dünkel fremd. Nicht die technische Makellosigkeit war für ihn entscheidend, sondern Ausdruck und Charakteristik. »Be yourself motherfucker. Even if you think it sucks. Be yourself«, bläute er seinen Studierenden wiederholt ein, wie seine Schüler und Weggefährten Sascha Stiehler, Antonio Lucaciu und Dominique Ehlert gestern in einem gemeinsamen Nachruf schrieben.
Seit seiner Berufung an die HMT Leipzig im Jahr 2000 war er mit seiner Mischung aus Leidenschaft, Nahbarkeit und musikalischer Brillanz musikalischer Mentor und Lehrer für eine ganze Generation von Musikstudierenden. Nicht selten erwuchsen daraus über die Jahre auch Freundschaften und musikalische Kollaborationen.
Nach seiner Emeritierung als Professor zog es ihn 2015 in die beschauliche pfälzische Gemeinde Heßheim. Dort lebte er mit seiner ehemaligen Studentin Regina Litvinova und dem 2021 verstorbenen Schlagzeuger Christian Scheuber in einer, wie er es nannte, »Jazz-WG«.
Die Musik blieb die große Konstante in seinem Leben. Das urbane Leben hingegen habe er als gebürtiger Großstädter zuletzt nicht mehr vermisst, wie er einmal sagte. »Hier mache ich die Tür auf, mache zwei Schritte und bin in der Natur. Ich kann Sterne sehen. In New York konnte ich das nie.«


















