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Nick Dunston – Skultura

Virtuosität, Vertrauen und Verletzlichkeit
© Cristina Marx/Photomusix
UT Connewitz

Preise

VVK: 17/12 € zzgl. Gebühr
AK: 22/17 €

Gegründet und geleitet von Nick Dunston, spielt die Band die Kompositionen des aus Brooklyn stammenden und inzwischen in Berlin lebenden Kontrabassisten.

„Ich bin ein Berliner“ … Der diesen Satz denkwürdig im kollektiven Gedächtnis verankerte, war beileibe kein Berliner, sondern der amerikanische Präsident John F. Kennedy. 60 Jahre später ist Berlin eine Idee, die weit über die City Limits hinausgeht. Zur Berliner Jazzszene gehören Musiker*innenpersönlichkeiten, die aus der ganzen Welt kommen, eine Weile in Berlin bleiben und den Spirit der Stadt schließlich wieder in die Welt hinaustragen. Der große Durchlauferhitzer an der Spree fördert deshalb auch immer wieder erstaunliche Projekte zutage.

Ein Beispiel par excellence für die explosive Kraft des schnelllebigen Hauptstadt-Biotops ist das Quartett Skultura des Komponisten und Bassisten Nick Dunston. Er selbst stammt aus New York, Keyboarderin Liz Kosack kam ebenfalls aus den USA nach Berlin, Sängerin Cansu Tanrikulu hat türkische Wurzeln und Saxofonist Eldar Tsalikov wuchs in Rostov am Don auf. Heterogener kann eine Band kaum sein, und doch spielt Herkunft in diesem Quartett eine eher untergeordnete Rolle. Vielmehr geht es um den gemeinsamen Zugriff auf den gelebten Augenblick auf der konstant heißen Herdplatte von Berlin.

In dem Wort Skultura steckt Kultur, Skulptur und bei genauerer Betrachtung auch Sutra. In einer gängigen Online-Enzyklopädie können wir lesen, dass Sutra einen kurzen, einprägsamen Lehrsatz oder eine Sammlung solcher Lehrsätze bedeute. Ähnlich kann man sich Dunstons Kompositionen für Skultura vorstellen. Von Samples ausgehend, die weit über das Instrumentarium der vier Bandmitglieder hinausgehen, werden kompositorische Vorlagen generiert, die wiederum Improvisationen triggern. Das Resultat, so Dunston, laufe auf „reembodied objects“ hinaus, also Objekte, die in eine neue Form gebracht werden. Physisches und Metaphysisches greifen dabei ebenso ineinander wie Wahrnehmung und Imagination. Das Ohr wird somit zum Fährtensucher, das seine Fundstücke zu neuen imaginären Skulpturen zusammensetzen kann. Der Raum, in dem all das passiert, avanciert zum aktiven Gestalten des Geschehens. Das Publikum wird bei dieser Performance aus seiner Passivität herausgerissen und selbst erfinderisch. Daraus ergibt sich im besten Fall eine neue Kultur des kreativen Austauschs.

Außer Dunston sind auch Kosack, Tanrikulu und Tsalikov jeweils Leader eigener Formationen ganz unterschiedlicher Couleur. Alle Vier bringen das gesamte Spektrum ihrer persönlichen künstlerischen Erfahrungen in Skultura ein. „Skultura ist eine potente Verkörperung von Handwerk, Virtuosität, Vertrauen und Verwundbarkeit“, stapelt Dunston tief, denn was die Wundertüte Skultura außerdem alles ausschütten kann, wird sich erst bei dem Auftritt in Leipzig zeigen.

  • Text: Wolf Kampmann
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