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Jazzclub-Konzert

GLOTZE

Werkcafé im Kulturhof Gohlis

Preise

VVK: 8 / 11€ zzgl. Gebühr
AK: 11 / 14 €

„Tempo und Rhythmik verändern sich stetig, permanente Instabilität und immer an der Kante!“ so Saxofonist Mark Weschenfelder über die Band.

Mark Weschenfelder, Philipp Scholz und Philipp Martin sind GLOTZE. Die haben ein gleichnamiges Album aufgenommen. Es kam am 25.10.2020 heraus. Und zwar bei Boomslang Records! Das ist ein österreichisches Label, bei dem es auf die Attitüde ankommt – nicht aufs Genre. So steht es zumindest auf dem Label-Profil eines blau-weißen sozialen Netzwerks, das mit ‚f’ anfängt.

Die Attitüde stimmt schon mal, das merkt man sofort wenn man mit Mark Weschenfelder spricht. Er ist der Saxofonist bei GLOTZE. Ein Musiker mit Erfahrung. Bei 16 Alben wirkte er maßgeblich mit, ist Träger von mehreren Stipendien und spielte bei den letzten Leipziger Jazztagen eine Hommage an Ornette Coleman. Zusammen mit seinen Band-Kollegen Philipp Scholz an den Drums und Philipp Martin am Bass setzt sich dann vieles zusammen, was man als einen enthemmten Mix aus Jazz, Neuer Musik und Punk bezeichnen darf. Oder wie sie es nennen: Metajazz! Es ist gerade dieses antipodische Wechselspiel aus verschiedenen Musiken, die das Gehörte und auch Erlebte bei Live-Auftritten so außergewöhnlich macht. So kontrastreich das auch klingt, so sehr überrascht es, dass es einem dann doch mit dem Satz „Oh my! Spicey tuness!“ vom Hocker haut. Hier schiebt mal Scholz, mal Weschenfelder, mal beide zusammen den Karren nach vorne und zurück. Und Martin wirkt als Stabilisator und Schmieröl zugleich. Denn es geht ziemlich wild zu in diesem unübersichtlichen Gebräu aus Perkussion, Schlägen, breiten und spitzen Saxofonklängen und eben dieser hingebungsvollen Bassline, die wild umher springt als wäre sie frisch verliebt.

Der kreative Prozess, so Weschenfelder, sei eine interessante und durchaus witzige Angelegenheit bei den dreien. Man trifft sich, jeder hat seine eigene Komposition dabei – jede von sehr unterschiedlicher Natur. Und am Ende sei die Wirkung irgendwie doch sehr ähnlich. Martin beispielsweise, schreibt eher Neue-Musik-lastig, so komplex manchmal, dass beim Spielen ganz automatisch Unschärfen und Undurchsichtigkeiten auftreten. Weschenfelder hingegen schreibt stark rhythmisch orientiert, aber eher jazzig-traditionell. Was kommt heraus? „Tempo und Rhythmik verändern sich stetig, permanente Instabilität und immer an der Kante!“ sagt Weschenfelder.

Das Album, das längst überfällig durch alle Gehörgänge sausen sollte, bringt Trommelfelle zum Vibrieren. Es provoziert, wühlt auf und setzt alles noch besser zusammen als es vorher war. Gelingt uns das auch nach dieser Pandemie? Ach, ich weiß es nicht und will diesen Text nicht mit diesem Thema beenden. Sorry dafür. Besser: GLOTZE kam daher, GLOTZE paralysiert, GLOTZE sollte man unbedingt anhören und angucken! Wenn es wieder soweit ist. Also jetzt!

  • Text: Lennart Wichmann

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