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8.9.2010 : 13:14 : +0200

MusikZeit 2009 Johannes Enders & Friends vom 10. - 17. Dezember

Johannes Enders - feat. durch den Jazzclub Leipzig bei den 33. Leipziger Jazztagen und dem Musikzeit Festival im Dezember 2009
Foto: Oskar Henn

 

 

 

 

 

  

Programm MusikZeit 2009

 

Donnerstag 10.12. Horns Erben 20:00 Uhr   
Johannes Enders/Peter Madsen Duo

Samstag 12.12. Telegraph 20:00 Uhr   
Obscure Rhythm

Sonntag 13.12. Michaeliskirche 18:00 Uhr Enders Dom

Donnerstag 17.12. naTo 20:30 Uhr Spielvereinigung Sued feat. J. Enders

 

 



Johannes Enders (sax)

Johannes Enders - feat. durch den Jazzclub Leipzig bei den 33. Leipziger Jazztagen und dem Musikzeit Festival im Dezember 2009

Der mehrfach ausgezeichnete Musiker Johannes Enders (1990 Silver Award beim American MusicFest in San Francisco, 1998 Musikförderpreis der Stadt München; 2003 SWR-Jazzpreis, 2007 Neue Deutsche Jazzpreis ), wurde im Herbst 2008 Professor für Jazz-Saxofon an der Hochschule für Musik und Theater "Felix Mendelssohn Bartholdy".

Johannes Enders wurde 1967 im oberbayerischen Städtchen Weilheim geboren. Mit 14 bekam er den ersten Saxofonunterricht an der Weilheimer Musikschule, später folgte Privatunterricht bei Andre Legros am Münchner Richard Strauss Konservatorium.

Nach einer Ausbildung zum Fernmeldetechniker bei der Deutschen Bundespost studierte Johannes Enders für zwei Jahre an der Hochschule für Musik und bildende Kunst im österreichischen Graz.

Nach ersten Preisen empfahl sich Enders bei der Basslegende Reggie Workman (u.a. John Coltrane, Art Blakey) für ein Stipendium, das ihn  nach New York an die New School führte.  Dort nahm Enders Unterricht von Jazzlegenden wie Donald Byrd, Jerry Bergonzi und Jimmy Cobb. Durch den zweiten Platz beim "American Music Fest" in San Francisco (1990) und der Finalteilnahme am renommierten "Thelonious Monk"-Wettbewerb in Washington D.C. im Jahr darauf, sorgte Enders auch in New York für Aufsehen.

Lange hält es ihn trotzdem nicht in New York. "Ich habe mein Studium unter anderem dadurch finanziert, dass ich viel in Europa gespielt habe", meint Enders heute. "Obwohl ich New York liebe war es irgendwann bequemer wieder hier zu bleiben." Nicht zuletzt die umständliche Visumerteilung dürften dazu beigetragen haben.

Zurück in Deutschland etabliert sich Johannes Enders schnell als eine der wichtigsten Stimmen am Tenorsaxophon und wird dafür u.a. mit dem Kulturförderpreis für Musik der Stadt München, dem SWR Jazzpreis, dem Weilheimer Kulturpreis und dem Neuen Deutschen Jazzpreis ausgezeichnet. Er wird Mitglied im Tied & Tickled Trio und entdeckt seine Liebe zur elektronischen und Minimal Musik. Inzwischen zählt der Zwei-Meter-Hüne laut Fachmagazin Jazzthing zu einem der zehn wichtigsten Nachwuchstenoristen weltweit.

Enders spielt in unterschiedlichsten Besetzungen, wobei es besonders auf das Gefüge innerhalb der Formation ankommt. Das Funktionieren und Miteinander einer Band sei es, was den Sound präge. Das Funktionieren als Organismus ist demnach wichtiger als der einzelne Musiker. Das mag auch der Grund sein, weswegen ausgedehnte Solopassagen in seinen Projekten eher selten zu hören sind. Musikalische Begegnungen hatte er mit so unterschiedlichen Künstlern wie Jaki Byard, The Notwist, Bobby Hutcherson, Lee Konitz, Nasheet Waits, Peter Kruder (ohne Dorfmeister), DJ Spooky, Roy Hargrove, Jazz Big Band Graz, Donald Byrd, Billy Hart, Nils Petter Molvaer, Fauna Flash, Joo Kraus, Brad Mehldau oder Nana Mouskouri.

Inzwischen ist Johannes Enders international als einer der innovativsten und bedeutendsten unter den deutschen Jazzmusikern der mittleren Generation anerkannt. Die Süddeutsche Zeitung adelte ihn als einen der größten Tenorsaxophonisten Europas.


Peter Madsen

Peter Madsen wurde in Racine, Wisconsin geboren. Im Alter von acht Jahren begann er ein klassisches Klavierstudium und mit zehn Jahren studierte er zusätzlich Kontrabass. Bereits mit dreizehn Jahren wurde aber sein Interesse für den Jazz geweckt. 1978 schloss er eine musik-pädagogische Ausbildung an der Universität von Wisconsin-Eau Claire ab und zog nach Min-neapolis, Minnesota, um sich voll und ganz auf seine Jazzpiano-Karriere zu konzentrieren.

1980 ging er nach New York City. 1987 erhielt er die Chance, mit Stan Getz durch Europa und die USA zu touren. Seit diesen Zeitpunkt standen ihm die Türen zu den großen Bühnen dieser Welt offen. Er spielte mit unzähligen großen Jazzmusikern in Europa, den USA und in Japan und nahm über 100 CDs mit den unterschiedlichsten Musikern auf. Zum Beispiel mit traditionsbewussten Musikern wie Benny Golson und Stanley Turrentine, moderneren wie Joe Lovano und Kenny Garrett, sowie "Funkmeistern" wie Fred Wesley und Maceo Parker. Peter Madsen hat über 350 eigene Kompositionen geschrieben, von denen mehr als 100 auf CDs aufgenommen wurden.

Peter Madsen arbeitete schon mit Musiker wie Stan Getz, Stanley Turrentine, Dewey Redman, Benny Golson, George Coleman, Oscar Brown Jr., Arthur Blythe, Don Cherry, James Spaulding, Kenny Gar-rett, Joe Lovano, Sonny Fortune, Dave Liebman, Eddie Henderson, Ravi Coltrane, Warne Marsh, Greg Osby, Carlos Ward, Thomas Chapin, Ralph Moore, Rick Margitza, Vincent Herring, Dick Oatts, Paul McCandless, Pee Wee Ellis, Steve Slagle, Lew Tabakin, Marty Ehrlich, Tony Malaby, Richie Cole, Maceo Parker, Ronnie Cuber, Steve Wilson, Chris Potter, Craig Handy, Seamus Blake, Tom Harrell, Bill Frisell, Mick Goodrick, David Tronzo, Joshua Breakstone, John Clark, Randy Brecker, Steven Bernstein, Marcus Belgrave, Paul Smoker, Fred Wesley, Frank Lacy, Conrad Herwig, Dave Taylor, Robin Eubanks, Bobby Byrd, Joe Locke, Ray Drummond, Rufus Reid, Cecil McBee, Anthony Cox, Ira Coleman, Phil Bowler, Mario Pavone, Ben Riley, Billy Hart, Frank Gant, Jeff Watts, Teri Lynn Carrington, Mel Lewis, Smitty Smith, Victor Lewis, Ronnie Burrage, Carl Allen, Victor Jones, Gerald Cleaver, Mike Clark, Yoron Israel, Bill Stewart, Eliot Zigmund, Michael Sarin, Jeff Williams, Bob Moses, Matt Wilson, Toninho Horta, The Mingus Big Band, the Village Vanguard Orchestra, Fred Ho`s Afro-Asian Music Ensemble und vielen anderen zusammen.

1993 veröffentlichte das Label Minor Music aus Deutschland Peters erste CD als Leader. Auf dieser CD, die den Namen Snuggling Snakes trägt, werden zehn von Peters Kompositionen von Anthony Cox, Lewis Nash, Chris Potter, Toninho Horta und Rudi Berger interpretiert. Peter Madsen ist ein Mitglied des Trios "Three of a Kind" - welches auch die Rhythmusgruppe der Fred Wesley Band bildet. Mit Dwayne Dolphin am Bass und Bruce Cox am Schlagzeug brachten sie 1994 ihre erste CD mit dem Namen Three of a Kind, 1995 ihre zweite CD Three of a Kind Meets Mr.T mit Stanley Turrentine als Special Guest und 1997 ihre dritte CD Drip Some Grease - diesmal mit Benny Golson, heraus. Alles drei CDs wurden von Minor Music veröffentlicht. Das Duo Peter & Peter, mit dem österreichischem Bass-Virtuosen Peter Herbert, das ausschließlich Eigenkompositionen spielt und Workshops von Europa bis Japan gibt, besteht seit den letzten zehn Jahren. Zwei CDs dieses Duos sind beim österreichischem Label POA erschienen und im Handel erhältlich (Darkness Pursues the Butterfly und Puppets Dance).

Eine CD, die Peter mit dem Bassist Mario Pavone und dem Schlagzeuger Matt Wilson - dem Nu Trio - aufgenommen hat, wurde 2000 von der Association of Independent Recording Artists zur besten traditionellen Jazz CD des Jahres gewählt (Remembering Thomas). Erst kürzlich hat Peter seine erste Solopiano CD mit dem Namen Sphere Essence - Another Side of Monk beim Label Playscape Recordings veröffentlicht. Seit 1999 schreibt Peter Artikel für eine monatliche Kolumne mit dem Namen Wide Open Jazz and Beyond für die preisgekrönte Website allaboutjazz.com. Heute lebt Peter teils in New York und Bregenz, Österreich. Er tourt weiterhin durch die ganze Welt, gibt Kurse für Meisterklassen, Workshops und unterrichtet private Studenten.

 

Pepe Berns

Pepe Berns studierte Jazz-Kontrabass an der Musikhochschule zu Köln. Bereits während des Studiums war er Mitglied teils namhafter Gruppen. So entstanden zum Beispiel Aufnahmen mit dem Mitglied der Kölner Saxophon Mafia Prof. Joachim Ullrich; CD "Faces Of The Duke", JHM; unter Mitwirkung u.a. von Rainer Winterschladen, Henning Berg, Hendrik Soll, Matthias Schubert und Christoph Adams. Mit Christoph Adams gab es ein erfolgreiches u.a. Trio mit den Schlagzeuger Steve Arguelles.

Von 1992 bis 1994 lebte Pepe Berns in den USA und studierte in Los Angeles bei Charlie Haden (am California Institute Of Fine Arts) und in New York an der Manhattan School Of Music bei Harvie Swartz und Maria Schneider (Stipendium des DAAD). In seiner New Yorker Zeit war er u.a. Mitglied des Eliot Zigmund Quartetts, und gab Konzerte mit Ben Monder, Vic Juris, Jeff Williams, Chris Potter, Mike Lee, Tom Raney, Joel Frahm und anderen.

Ein weiteres Diplom erhielt Pepe Berns von der Universität der Künste, Berlin (2003). Hier studierte er Jazz Komposition bei James Knapp, Seattle, bei David Friedman, und erneut bei Maria Schneider. Er unterrichtet seit Jahren als Privatlehrer an der Musikschule Kreuzberg und auf Workshops im In- und Ausland. Seit Oktober 2004 unterrichtet Berns am "Jazz Institute Berlin" (vormals "Universität der Künste") und an der Hochschule für Musik und Theater, Leipzig. Hier gibt er Kurse in Ensemble-Spiel, Gehörbildung und Jazz-Kontrabass.
Seit 2007 ist Berns Professor für Jazz-Kontrabass an der "Hochschule für Musik Felix Mendelssohn Bartholdy zu Leipzig". Berns ist außerdem Workshop-Dozent und Jury-Mitglied bei der Bundesbe-gegnung "Jugend Jazzt" 2007/08. Zur Zeit arbeitet Berns an einer Sammlung von Bass-Etuden im Lehrbuchformat und an kurzen Stücken für Bass-Masterclasses.

 

Bastian Jütte

Bastian Jütte wurde am 22.11. 1973 in München geboren.
Nach dem  Studium der Musikwissenschaften an der LMU München nahm er ein Musikstudium am Richard-Strauss-Konservatorium auf und trat in das Landesjugend Jazzorchester Bayern ein. 1996 folgte die Aufnahme des Musikstudiums an der Musikhochschule Mannheim bei Prof. Keith Cope-land.

Er ist Mitglied vieler Ensembles der deutschen und internationalen Jazzszene, wie z.B. Enders Room, Johannes Enders Quartet, Till Martin Quartet, Hugo Siegmeth Quartet, Martin Auer Quintet, Hen-ning Sieverts Blauer Reiter, etc. Stilistisch kennt er dabei keine Grenzen, neben der gesamten Band-breite des Jazz fühlt er sich auch in der Funk-, Rock - und Popmusik zu Hause. Bei zahllosen Konzerten, Studio- und Rundfunkproduktionen spielte er mit namhaften Musikern wie Vincent Herring, Johannes Enders, Bobby Shew, Maria Schneider, Adrian Mears, Joel Harrison, David Binney, Domenic Landolf, Roman Schwaller, Johannes Faber, Roberto diGioia, Wolfgang Schmid, Wolfgang Lackerschmidt, Barbara Dennerlein, Jürgen Seefelder, Dusko Goykovich, Peter O´Mara, Glauco Vernier, Tony Lakatos, Michael Wollny, Frank Möbus, Carolyn Breuer, Matthias Nadolny, Henning Sieverts, Tom van der Geld, Thomas Stabenow , Al Porcino, Helmut Kagerer, Claus Reichstaller, Hubert Nuss, Marc Abrams, Hubert Winter , Olaf Kübler, Carsten Daerr, Jürgen Friedrich, Frank Kuruc, Big Band des Hessischen Rundfunks oder dem Sunday Night Orchestra zusammen.

Jütte unterrichtet an der Berufsfachschule für Jazz Rock Pop München Schlagzeug und Ge-hörbildung.  Von 2004-2007 war er Dozent am Jazzprojekt des Freien Musikzentrums München. Im Frühjahr 2006 war er Gastdozent für Schlagzeug und Ensemble an der Kodai International School, Indien.

 

Martin Auer

Martin Auer wurde 1976 in Prien am Chiemsee geboren und studierte Trompete und Kompositi-on/Arragement in Mannheim und Berlin. Er spielte mit diversen deutschen Big Bands zum Beispiel dem Landesjugendorchester Bayern oder dem Glenn Miller Orchestra. Daneben gab er zahlreiche Konzerte mit seinem eigenen Quintett. Martin Auer ist regelmäßiger Dozent für Trompete bei den Landesjugendjazzorchestern Saarland, Berlin und Sachsen. Er spielte unter andrem mit Cyndy Lauper, Albert Mangelsdorff, Clark Terry, Katja Ebstein, Peter Herbolzheimer, Nils Landgren oder Götz Alsmann.

 

Antonio Lucaciu

Der erst 21jährige Antonio Lucaciu ist einer der aufstrebenden Saxofonisten in Deutschland. Er nahm im Sommer 2008 an der Masterclass von Dave Liebman in New York teil und spielt/u.a. mit Phil Markovitz, Jiggs Whigham, Wolfgang Dauner und Wolfgang Schmid. Sascha Stiehler, Jahrgang 1988 studiert seit 2006 bei Prof. Richie Beirach in Leipzig, war Mitglied des Landesjugendjazzorchesters Sachsen und produziert in kürze Richie Beirachs neue CD.

 


Spielvereinigung Sued

Spielvereinigung Sued - feat. durch den Jazzclub Leipzig bei den 33. Leipziger Jazztagen und dem Musikzeit Festival im Dezember 2009

Die im Oktober 2007 gegründete Big Band "Spielvereinigung Sued" ist ein Kollektiv aus jungen Profimusikern der Leipziger, Hallenser, Dresdner und Thüringer Jazzszene. In zwei Jahren hat es die Band geschafft, sich ein eigenständiges, immer frisches Profil zu schaffen, das durch Kompositionen der Bandmitglieder und jungen europäischen Arrangeuren geprägt ist. Mittlerweile hat sich die eigenständig initiierte Konzertreihe in der naTo Leipzig zu einem echtem Publikumsmagneten entwickelt, die Spielvereinigung Sued ist wohl nicht mehr wegzudenken aus Leipzigs Kulturlandschaft. Ein wichtiger Baustein dieser Konzertreihe ist die Zusammenarbeit mit musikalisch innovativen und namenhaften Gästen geworden. So konnte der Gitarrist Peter O' Mara für das Konzert auf dem Jazzfest der "Hochschule für Musik und Theater Leipzig" 2008 gewonnen werden. Weiter bekannte Gastmusiker waren u.a. der Arrangeur und Saxophonist Marko Lackner, Saxophonist Volker Schlott, sowie die Sängerin Pascal von Wroblewsky.


Am 17.12. 2009 wird die Spielvereinigung Sued erstmals gemeinsam mit dem  jazzclub leipzig e.V. ein Konzert veranstalten und hat dazu einen der herausragenden Saxophonisten der deutschen Jazzszene, Johannes Enders, gewinnen können. Das Konzert wird Abschluss und Höhepunkt des diesjährigen "Musik-Zeit Festivals" sein, bei welchem Johannes Enders als innovativer Musiker und Neu-Leipziger gefeatured wird. Die Band wird daher ein brandneues Programm mit Johannes Enders als Leiter und Solist präsentieren.


Spielvereinigung Sued on MySpace

Wolf Kampmann zu Enders Dom

"Synthesen aus sakraler, europäischer Musik und Jazz bzw. improvisierter Musik gibt es zuhauf. Doch Enders ist ein Album gelungen, das hierzulande bislang einmalig ist. Konkrete und mystische Räume durchdringen einander, Seelenlandschaften gehen in den Nischen und Wölbungen der geweihten Wände auf. Die Zeit erstarrt im Raum. Enders sucht nicht nach der einfachen Übersetzung des längst Verklungenen in aktueller Musik. Ihn interessiert mehr das Alte in ihm selbst, als das Vergangene in der Geschichte. ?Mich hat schon immer der sakrale Raum fasziniert", bekennt Enders. "Man findet ja heute nur noch wenige Räume, die ein Vakuum erzeugen. Unabhängig von der Religion entfaltet jede Kirche ihren eigenen Klang. Jene alte, romanische Basilika in der Nähe von Schonau ist völlig schmucklos. Ich wollte diesen Raum schon immer ausloten. Mit John Hollenbeck und ein paar anderen Leuten im Hinterkopf habe ich Stücke geschrieben, die wir dann in zwei Sessions aufnahmen. Irgendwann entstand eine Schnittstelle zwischen dem elektronischen Kirchenraum und der Elektronik. Viele Aufnahmen habe ich im Nachhinein bearbeitet. Diese Sounds aus der Kirche brachten mich auf so viele Ideen, dass ich es schade gefunden hätte, nicht auch diesen anderen Raum zu öffnen. Da steckt sicher auch vieles von Enders Room drin, aber der Ausgangspunkt ist die Kirche."

"Enders Dome" hebt die Zeit als chronologischen Prozess auf. Johannes Enders greift zurück in eine Epoche, die weit vor allem liegt, was wir heute als Tradition begreifen. Doch er lässt sich nicht rück-haltlos in die Vergangenheit fallen, sondern entfacht einen Dialog. In dieser Hinsicht mag sein Album als Gegengift zum ständig wechselnden modischen Habitus taugen. Jedes Tröpfchen Zeitgeist, das man in diese Musik träufelt, verteilt sich in im Ozean aller Ereignisse, die je passiert sind und noch passieren werden. Die Musik ist von einer Last der Jahrhunderte geprägt, die dennoch ganz leicht wirkt. Und von einer Art Melancholie, die trotzdem nicht den Blick nach vorn verstellt.  "Ich bin ja ganz offen für alle Gefühlswelten", so Enders. "Ich hatte viel Zeit, über diese Platte nachzudenken. So ein Kirchenraum hat den Vorteil, dass die Zeit stehen bleibt. Kirchen- und Klosterräume sind und waren stets Orte, an denen man nach Antworten sucht. Ich habe immer das Gefühl, dass man heute viel zu schnell seine Suche aufgibt. Das finde ich schade."

Die CD erzählt auch von einer Ankunft. Sie beschreibt eine Situation. Andere CDs von Enders versetzten den Hörer stets in den Zustand der internen und externen Bewegung. "Enders Dome" ist jedoch eine Aufforderung zum Innehalten. Sie hält den Hörer fest und dehnt die Zeit aus, statt sie zu komprimieren. "Das ist vielleicht eine Frage der Identität", erwägt der Saxofonist. "Enders Room setzt sich aus einer Vielzahl von Einflüssen zusammen. Und meine Jazz-CDs enthalten viele amerikanische Zutaten. Auf Enders Dome habe ich mal versucht, an gar nichts zu denken. Auch beim Komponieren besann ich mich auf meine abendländische Identität. Da spielen Kirchenräume eine prägende Rolle." 

Der Titel "Enders Dome" klingt womöglich ein wenig ausladend, doch er bezieht sich nicht auf die Größe des Raums, sondern auf dessen spirituelle Beschaffenheit. Die Musik offenbart schnell eine Affinität zu Meditation und Askese. "Mich trieb die Frage um, wo ich selbst gegenüber so einem kargen Raum stehe, ohne mich ablenken zu lassen." Dieses Bekenntnis führt unmittelbar zur Persönlichkeit des feinsinnigen Jazzmusikers. "Enders Dome" deckt menschliche Seiten von Johannes Enders auf, die auf seinen bisherigen Alben noch im Hintergrund standen. Er ist ein sehr überlegter Künstler, der wenig dem Zufall überlässt. Bevor er sich zu einer voreiligen Äußerung hinreißen lässt, denkt er lieber dreimal nach. Im direkten Gespräch drückt er sich stets langsam und vorsichtig aus. Er kommuniziert mit jedem Satz, dass er für seine Aussagen die volle Verantwortung trägt und es den Begriff Nebensache für ihn nicht gibt. Diese Nachdenklichkeit hallt auf der CD wieder. Die Szene von Weilheim gilt weit über die deutschen Grenzen hinaus als Paradiesgarten für musikalische Freiheit. Neben den Gebrüdern Acher zählt Johannes Enders zu den treibenden Kräften dieses Biotops, das von kühnen Journalisten schon mit dem multistilistischen Klangambiente von Chicago verglichen wurde. Ein wichtiger Aspekt dieser Offenheit ist für Enders die Nähe zur Natur. "Die Natur kalibriert mich immer zur Mitte hin", sagt er beinahe ergriffen. Daher brauchte er auch nicht die Flucht in die Musikwelt des Mittelalters, um seinen persönlichen Bezug zum sakralen Stein herzustellen. "Ich bastle schon seit Jahren an dieser Musik herum. Als ich die Stücke für die Platte komponierte, war alte Musik sicher eine Inspiration. Ich wollte aber keine gregorianischen Choräle nachspielen, sondern beschäftigte mich mit der Frage, welche Musik heute in so einen Kirchenraum passen würde." Auf "Enders Dome" verrät Enders eine enge physische Verbundenheit mit seinen Instrumenten und jedem einzelnen Ton. Gemeinsam mit dem norwegischen Trompeter Nils-Petter Molvaer, dem in München lebenden Tombak-Spieler Saam Schlamminger, Bassklarinettist Ulrich Wangenheim, Drummer John Hollenbeck und Organist Ralf Schmid zelebriert Enders die physische Schönheit und mystische Verklärung des reinen, für sich selbst stehenden Tons. Die Ekstase wohnt in den Zwischenräumen. "Das lag sicher daran, dass dieser Kirchenraum so empfindlich ist. Ich musste stets aufpassen, ihn nicht zu überfrachten. Der Raum reagiert ganz anders auf den einzelnen Ton, als ich es gewohnt bin. Insofern kommt mein persönliches Spiel als Bläser ganz anders rüber, als würde ich wie sonst mit einem Schlagzeuger einfach losspielen." (Interview Wolf Kampmann)