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Wie es anfing...

Die 1. Leipziger Jazztage fanden vom 10. - 12. Juni 1976 statt und wurden initiiert von den Studentenclubs der Karl-Marx-Universität, „Moritzbastei“ und der Hochschule für Grafik und Buchkunst, „Grafikkeller“. Obwohl der FK Jazz organisatorisch also noch nicht bei der Geburtsstunde des Leipziger Festivals Hand anlegte, soll der Vollständigkeit halber auch das Programm dieser ersten Jazztage aufgeführt werden:

1. Leipziger Jazztage Kino Wintergarten

10. Juni

· Joe Sachse Quartett

· FEZ: Konrad Bauer (tb), Hannes Zerbe (p), Christoph Niemann (b), Peter Gröning (dr)

11. Juni

· Gumpert-Sommer-Duo: Uli Gumpert (p), Günter Sommer (perc)

· Hubert Katzenbeier Quintett: Hubert Katzenbeier (vi, tb), Hans-Joachim Graswurm (tp, flh), Rainer Gäbler (e-p, ts, fl), Christian Gottscheck /b), Curt Fritsche (dr)

· Ernst-Ludwig Petrowsky Sextett: Petrowsky (ts, ss), Jochen Gleichmann (flh), Helmut Forsthoff (ts, fl), Hans Rempel (p), Klaus Koch (b), Sommer

12. Juni

· Synopsis: Petrowsky, Gumpert, Koch, Sommer

· Medi Nox

1977

So wie das alte Jahr ausklang, begann das neue, denn erneut stellte sich das Quartett von Joe Sachse im Elstertal vor und wiederum fand es ein dankbares und fachkundiges Publikum. Sechs Wochen später wurde die nächste Jahreshauptversammlung unseres FK veranstaltet. Obwohl freilich unsere zu jener Zeit schon weit über 100 Köpfe zählende Mitgliedschaft nicht komplett im Klub der Intelligenz in der Elsterstraße versammelt war, wurde rege diskutiert und Vorschläge für Zukünftiges unterbreitet – dieses oder jenes auch verworfen. An jenem 24. Februar übergab Wolfhard Röhlig das Amt des Vorsitzenden an Heinz-Jürgen Lindner, verblieb aber weiterhin in der Leitung. Das erste Konzert unseres Freundeskreises im Kino Lindenfels war leider von einem Wermutstropfen begleitet! Angekündigt war das Trio Rudolf Dašek – Ulrich Gumpert – Günter Sommer und ein großes erwartungsfrohes Publikum hatte sich eingefunden, doch leider konnten nur zwei der Musiker auftreten. Das für Uli bereitgestellte Klavier erwies sich als unbrauchbar für jenen Abend, weil verstimmt. Verstimmung und Bedauern auch bei den Beteiligten über diese Nachlässigkeit unsererseits – doch das Duo versöhnte uns durch sein spannungsgeladenes und farbiges Spiel. … Und Uli Gumpert sollte seither noch viele gelungene Auftritte bei uns haben! Die neugegründete Gruppe Osiris stellte sich im Mai im Elstertal vor und hatte sich um Hans-Joachim Graswurm und Johannes Bauer verstärkt, was sich nicht nur in quantitativer, sondern vor allem in musikalischer Hinsicht erwies. Im Jahre 1977 trat der Freundeskreis Jazz erstmals als Mitveranstalter der Leipziger Jazztage auf, die ja im vorherigen Jahr als rein nationales Festival Premiere hatten. Eines der Gründe war, dass inzwischen einige Jazzfreunde, die im Organisationskomitee der Jazztage mitarbeiteten, auch Mitglied der Leitung des FK wurden, der wichtigere Grund jedoch sicher, dass gerade der FK Jazz dafür prädestiniert schien, das von verschiedenen Studentenclubs (Moritzbastei, Grafikkeller) initiierte Festival in seinem organisatorischen Aufbau und der konzeptionellen Gestaltung zu stärken! Zudem ist seit jener Zeit des FK Jazz des Jazzclubs auch gleichzeitig Vorsitzender des Organisationskomitees der Leipziger Jazztage.

Das Festival fand diesmal in der Ingenieurschule der Deutschen Post statt und ausverkaufte Konzerte sowie heißbegehrte Sessionkarten für die „Grafik“ zeugten schon 12 Monate nach der „Nr. 1“ für das wachsende Interesse an diesen Jazztagen. Neben der DDR-Spitzenklasse an Jazzmusikern konnten wir auch die ersten internationalen Gäste des Festivals begrüßen. Zum Publikumsliebling avancierte vor allem der ungarische Bassist Aladar Pege; mit Sven-Akes Johansson, dem in Westberlin lebenden Schweden, trat erstmals ein Musiker aus einem kapitalistischen Land auf. Für viele war der Auftritt Sven Akes in einem Trio mit Conny Bauer und dem hervorragenden polnischen Bassist Jacek Bednarek der Höhepunkt dreier ereignisreicher Tage. Im September war das ehrwürdige Alte Rathaus erstmals Austragungsort eines Konzerts unseres FK Jazz. Die Serie wurde allerdings eröffnet mit einem – Duo! Dem Dresdner Perkussionisten Günter Sommer zur Seite stand dabei Hans-Karsten Raecke. Letzterer verblüffte die Besucher neben seiner Arbeit mit Electronics vor allem durch die Verwendung seiner selbstgefertigten Bambusphone, also aus Bambusrohr bestehende Rohrblattinstrumente unterschiedlicher Größe und Tonumfangs. Nur wenige Tage später war im Kino Lindenfels eine Band von internationalen Spitzenmusikern unser Gast. Neben Conny Bauer standen Musiker aus weiteren vier Ländern auf der Bühne und ernteten stürmischen Applaus. Mit Hans Koller, dem österreichischen Tenorsaxophonisten, befand sich einer der wichtigsten und vielseitigsten europäischen Jazzmusiker zweifellos im Mittelpunkt des Interesses, doch demonstrierte das ganze Quintett ein erstaunlich homogenes Spiel. Neben dem Leader begeisterte auch Herbert Joos durch seine Virtuosität auf dem Flügelhorn – und auf dem am gleichen Tage in Leipzig gekauften Baritonhorn!

Das letzte Quartal wurde besonders durch drei Veranstaltungen „Jazz im Keller“ im Felsenkellergewölbe geprägt. Dabei probte das Trio C. Bauer/Gumpert/Sommer noch einmal für seinen Auftritt zum wenig später folgenden Warschauer Jazz Jamboree. Erneut im Kino Lindenfels präsentierte uns dann wenige Tage später vor Weihnachten Andy Altenfelder seinen Workshop.

Unsere Gäste des Jahres 1977 im Überblick

12. Januar, Elstertal

· Joe Sachse Quartett: Sachse (g, fl), Manfred Hering (ts, as), Christoph Winckel (b), Wolfgang Dix (dr)

25. März, Lindenfels

· Rudolf Dašek (CSSR, g), Günter Sommer (perc)

27. März, Kongresshalle

· Osiris: Hering, Hannes Zerbe (p), Sachse, Winckel, Dix

11. Mai, Elstertal

· Osiris plus Hans-Joachim Graswurm (flh), Johannes Bauer (tb)

12. Mai, Weißer Saal Zoo

· Ernst-Ludwig Petrowsky Trio: Petrowsky (as, ss, cl), Klaus Koch (b), Sommer

2. Leipziger Jazztage Ingenieurschule der Deutschen Post

9. Juni

· Improvisationsquartett: Andreas Altenfelder (tp), Manfred Schulze (bars, cl), Hermann Keller (p), Wilfried Staufenbiel (cello, voc)

· Gumpert/Pege/Sommer: Ulrich Gumpert (p), Aladar Pege (Ungarn7b), Sommer Osiris

10. Juni

· Gladowski/Zgraja (Polen): Czeslaw Gladkowski (b), Krzystof Zgraja (fl),

· Bauer/Bednarek/Johansson: Konrad Bauer (tb), Jacek Bednarek (Polen/b), Sven-Ake

Johansson (Schweden/dr, perc, acc, voc)

11. Juni

· Schhönfeld-Walter-Duo: Friedhelm Schönfeld (ts, acl), Reinhard Walter (p), Ernst-Ludwig Petrowsky Trio

· Osiris featuring Csaba Deszö: Deszö (Ungarn/vi), Zerbe, Sachse, Winckel, Dix

14. September, Altes Rathaus

· Raecke/Sommer: Hans-Karsten Raecke (Bambuphone, electronics), Sommer

30. September, Lindenfels

· Hans Koller Workshop: Koller (Österreich/ts, ss), K. Bauer, Herbert Joos (BRD/flh, Baritone horn), Peter K. Frey (Schweiz/b), Janusz Stefanski (Polen/dr)

12. Oktober, Felsenkellergewölbe

· Bauer/Gumpert/Sommer

9. November, Felsenkellergewölbe

· Konrad Bauer Quartett: K. Bauer, Uwe Kropinski (g), Matthias Bauer (b), Klaus Döring (dr)

7. Dezember, Felsenkellergewölbe

· Günther Philipp Trio: Philipp (p), Frieder Bergner (tb), Matthias Philipp (dr)

16. Dezember, Lindenfels

· Andreas Altenfelder Workshop: Altenfelder, Hubert Katzenbeier (tb), Heiner Reinhardt (ts), Koch, Hermann Naehring (dr)

1978

Am achten Tag des neuen Jahres fand ein bemerkenswertes Konzert im Weißen Saal der Kongresshalle statt. Aus dem Ursprungsland des Jazz, den USA, konnten wir den Saxophonisten und Flötisten Leo Wright begrüßen. Begleitet wurde er von seiner Frau Elly, einer in Österreich gebürtigen Sängerin, und Musikern der Gruppe Osiris. Auch die Reise nach Berlin zu einem Konzert des Manfred Schoof Quintetts war für unsere Mitglieder zweifellos ein besonderes Ereignis! Diese Veranstaltung der Serie „Jazz im Tip“ des Palastes der Republik fand großen Widerhall. Das gemeinsame Musikerlebnis und eine Schoof-Gruppe auf ihrem künstlerischen Höhepunkt garantierten den vollen Erfolg dieses kollektiven Ausflugs. Und schließlich brachte das erste Quartal jenes Jahres einen weiteren Höhepunkt für unseren FK. Diesmal wieder „Jazz im Kino“ im Lindenfels und der Name Peter Brötzmann hatte so viele Fans angelockt, dass wir uns entschlossen hatten, gar zwei aufeinanderfolgende Konzerte durchzuführen, eines um 18.00 Uhr, das andere drei Stunden später. Unglaublich, dass beide Veranstaltungen ausverkauft waren, ja, einige waren sogar zweimal Ohrenzeuge dieses Spektakels. Neben Conny Bauer und Baby Sommer hatte sich der Wuppertaler „Free Jazz-Pionier“ mit dem Niederländer Cees Hazevoet schließlich eine ganz verrückte Type mitgebracht! Von den (leider) letzten Veranstaltungen im guten alten Elstertal kann man geradezu Legendäres berichten: Besonders das Konzert mit „Mighty Flea“ Gene Connors, dem vor Temperament förmlich überschäumenden amerikanischen Posaunisten und Sänger (begleitet von einheimischen Jazzern) und der Auftritt von S. Diestelmanns Folk Blues Band versetzten sogar uns Veranstalter in Erstaunen und ließen uns gewisse organisatorische Grenzen erkennen. Ein überfüllter Saal, unzählige Wartende vor der Tür, die sogar den Busverkehr in der Rödelstraße vorübergehend behinderten, eine tolle Stimmung, bei der sogar die Kellner mittanzten (namentlich bei Gene Connors), dennoch eine große Disziplin des Publikums im Saal sorgten dafür, dass diese Abende eigentlich nur mit einem Prädikat überschrieben werden können: Unvergesslich! So ist es besonders tragisch, wenn man heute, fast genau zehn Jahre nach unserer letzten Veranstaltung in diesem Haus, sieht, was aus dem Elstertal geworden ist. Verfallen der Saal, verwahrlost der Hof, ist es weit weniger als nostalgischer Hinweis auf große Zeiten der Leipziger Jazz (und Blues-) Szene und den Anfangsjahren unseres Klubs! Schade! Interessanterweise hat Heinz-Jürgen Lindner mit dem Tag des Connors-Auftritts den Aufruf an Klubmitglieder verbunden, sich für kommende Veranstaltungen als Einlassdienste bzw. Ordnungskräfte bereitzuerklären. Kurz gesagt, es handelte sich um die Geburtsstunde unserer Ordnungsgruppe, die seitdem sehr zuverlässig und möglichst zurückhaltend ihre Aufgaben erfüllt hat, damit all unsere Veranstaltungen ohne nennenswerte Pannen, Zwischenfälle oder Verzögerungen ablaufen konnten. Das ist nicht nur das Verdienst von Gerhard Schulz, Horst-Udo Försterling, Stefan Haustein oder Matthias Funke, sondern auch der Einsatzbereitschaft einer großen Anzahl von Jazzfreunden, die im Laufe der vielen Jahre Dienst in unserer Ordnungsgruppe taten oder noch dabei sind. Im März 1978 wurde unser Freundeskreis in Anerkennung der bis dahin geleisteten kontinuierlichen und erfolgreichen Arbeit mit einer „Auszeichnungsurkunde mit Geldprämie“, wie es offiziell hieß, geehrt! Mit den 3. Jazztagen beginnt eigentlich die Phase in der Entwicklung unseres Festivals, die konzeptionell und inhaltlich die Voraussetzungen schuf, dass sich unser Jazzfestival bis heute ständig weiterentwickelt hat und gegenwärtig (so kann man wohl, ohne ins Eigenlob zu verfallen, sagen) doch eine feste Größe in der Landschaft gleichartiger Veranstaltungen in Europa darstellt! Schon in jenem Mai 1978 gab es ausgesprochene Highlights, von denen man noch Monate, ja Jahre später sprach. Für zwei Tage gelang es uns, die Kongresshalle zu mieten, an zwei Tagen war unser Festival in der Schauburg zu Gast – und dort geschah es tatsächlich! Kein Platz war mehr zu haben, als das Conny Bauer Quartett und John Tchicai mit seinen Strange Brothers spielten, ja nicht einmal ein freies Fleckchen in den Gängen, wo man dicht gedrängt auf dem Fußboden saß! Und als sich schließlich aus den beiden Quartetts tatsächlich noch ein Oktett bildete und man den Schlussteil gemeinsam bestritt, war der Siedepunkt der Publikumsemotionen erreicht! Getobt haben die begeisterten Jazzfans – kein anderes Wort wäre dafür treffender gewesen. Aus Platzgründen können andere hervorragende Auftritte jener Jazztage nur erwähnt werden, das Schlippenbach-Johansson-Duo, die Gumpert-Workshop-Band oder Hannes Zerbes Big Band. Schließlich begann mit dem Konzert des Schweizers Urs Voerkel die inzwischen nicht mehr wegzudenkende Tradition der pianistischen Soloauftritte im Alten Rathaus als Bestandteil des Jazztageprogramms! Im zweiten Halbjahr gab es dann ein ganz besonderes Bonbon für unseren Freundeskreis: Den fünften Geburtstag wollten wir mit einem speziellen Konzert begehen. So waren wir hocherfreut, als uns ein Angebot des gleichermaßen renommierten wie beliebten Willem Breuker Kollektiefs erreichte. Für den 5. Oktober konnten wir das Capitol mieten und ein mit 1100 Besuchern ausverkauftes Haus bot den angemessenen Rahmen für diese musiktheatralische Show. Inzwischen liefen in der Leitung des FK sowie beim Kulturbund schon Absprachen über einen notwendigen organisatorischen Schritt, der darauf abzielte, den FK Jazz in den „jazzclub leipzig“ umzuwandeln. Dabei bezogen sich diese Änderungen nicht nur auf den Namenswechsel, ein Mitte Dezember 1987 von uns vorbereitetes Rundfunkschreiben informierte über die Gründe und Ziele: „Liebe Jazzfreunde! In den letzten Jahren und besonders im vergangenen Jahr hat der Freundeskreis Jazz seine Aktivitäten wesentlich verstärkt, viele neue Freunde sind hinzugekommen, um das erreichte Niveau zu halten und wenn möglich noch auszubauen, machen sich bestimmte organisatorische Veränderungen unbedingt notwendig. Bei der wachsenden Zahl von Konzerten mit inländischen und besonders ausländischen Künstlern und der hohen Mitgliederzahl ist es an der Zeit, dem Freundeskreis einen neuen Status zu verleihen, ihn finanziell und organisatorisch zu konsolidieren. Aus diesen Gründen wird der Freundeskreis Jazz ab 1.1.1989 in einen Klub mit dem sicherer nicht besonders originellen, aber neuen Namen „jazzclub leipzig“ umgewandelt. Die Mitgliedschaft des Einzelnen bleibt dabei erhalten, auch ändern sich dadurch unser Veranstaltungsprogramm und das musikalische Profil nicht. Verbesserungen werden schrittweise vor allem in qualitativer Hinsicht angestrebt“.

Unsere Gäste des Jahres 1978 im Überblick

8. Januar, Weißer Saal

· Leo Wright, Elly Wright und Hannes Zerbe Band: Leo Wright (USA/as, fl), Elly Wright (Österreich/voc), Zerbe (p), Helmut Sachse (g), Christoph Winckel (b), Wolfram Dix (dr)

3. März, Lindenfels (zwei Konzerte)

· Peter Brötzmann (BRD/ts, bs, cl), Cees Hazevoet (Niederlande/p, tp, vi), Konrad Bauer (tb), Günter Sommer (dr, perc)

26. April, Elstertal

· „Mighty Flea“ Gene Connors und Hannes Zerbe Band: Connors (USA/tb, voc), Manfred Hering (ts, ss), Zerbe, Sachse, Wolfgang Greiser (b), Wolfgang Schneider (dr)

3. Leipziger Jazztage

18. Mai, Kongresshalle

· Improvisationsquartett: Andreas Altenfelder (tp), Manfred Schulze (bs, cl), Hermann Keller (p), Wilfried Staufenbiel (cello, voc)

· Ossian: Jacek Ostaszewski (Polen/fl, perc), Milo Kurtis (Griechenland/sitar, perc), Tomasz Holuj (Polen/tabla, perc) Zygmunt Kaczmarski (Polen/perc, g)

· Schlippenbach/Johansson: Alexander von Schlippenbach (Westberlin/p), Sven-Ake Johansson

(Schweden/dr, perc, voc)

19. Mai, Schauburg

· Konrad Bauer Quartett: K. Bauer, Uwe Kropinski (g), Matthias Bauer (b), Peter Gröning (dr)

· John Tchicai & Strange Brothers (Dänemark): Tchicai (as, ss, fl), Simon-Cato Sprang-Hansen (ss, ts), Peter Danstrup (b), Ole Römer (dr)

20. Mai, Altes Rathaus

· Urs Voerkel (Schweiz/p)

20. Mai, Schauburg

· Ulrich Gumpert Workshop Band: Gumpert (p), Hans-Joachim Graswurm (tp, flh), K. Bauer, Hering, Ernst-Ludwig Petrowsky (as, ss), Helmut Forsthoff (ts), Klaus Koch (b), Sommer

21. Mai, Kongresshalle

· Friedhelm Schönfeld Trio: Schönfeld (ts, acl, fl), Reinhard Walter (p), Dieter Keitel (dr)

· Jazz Q Praha (CSSR): Martin Kratochvil (p, synth), Lubos Andrst (g), Premysl Fauckner (e-b), Jaromir Helesic (dr)

· Hannes Zerbe Big Band featuring Uli Beckerhoff, Willem Van Manen: Zerbe, Beckerhoff (BRD/tp), Van Manen (Niederlande/tb), Altenfelder, Graswurm, Forsthoff, Hering, Schulze, Dietrich Unkrodt (tu), Sachse (g, fl) Hermann Naehring (dr)

Zu den Sessions in der Moritzbastei spielten K. Bauer, Tchicai, Sprang-Hansen, Danstrup, Kropinski, Gumpert, Dix, Matthias Philipp (dr) und andere

7. Juni, Elstertal

· Altenfelder, Heiner Reinhardt (ts, bcl), Hering, Iri Antonow (Bulgarien/ts), Sachse, Winckel, Naehring

20. September, Elstertal

· Stefan Diestelmann Folk Blues Band: Diestelmann (g, harm, voc), Dietrich Petzold (vi) u.a.

5. Oktober, Capitol

· Willem Breuker Kollektief (Niederlande): Willem Breuker (ts, ss, cl), Boy Raaymakers (tp), Bernhard Hunnekink (tb), Van Manen, Maarten Van Norden (ts, cl), Bob Driessen (ts, ss), Jan Wolff (french horn), Leo Cuypers (p), Arjen Gorter (b), Rob Verdurmen (dr)

10. Oktober, Felsenkellergewölbe

· Bergner-Dix-Duo: Frieder Bergner, Dix und als Gast Henry Walther (tb)

4. November, Klub der Intelligenz

· Dixieland Company Leipzig: Rudi Thiele (tb), Volker Stiehler (tp), Andreas Bicking (cl), Günter Stiehler (b), Johannes Erler (bj, g), Rolf Gerischer (dr)

10. November Lindenfels

· Gumpert, Hering, Sommer

1979

Eine der Wurzeln des Jazz ist der Blues und so ist es nur allzu natürlich, dass sich unser Club unter seinem neuen Namen mit einem Bluesinterpreten vorstellte. Da er aus dem Mutterland des Blues kam, nahm es kein Wunder, dass „Littlefield“ selbst am späten Sonntagabend ein voll besetztes Capitol vorfand. Es sollte nicht das letzte dieser Art sein, denn mit dem knapp 70jährigen Gitarristen Frank Edwards und der faszinierenden Sister Mable Franklin folgten weiter solcher Konzerte, die uns einen Hauch von Authentizität vermittelten und uns tatsächlich mit auf die Reise nahmen zu den Wurzeln des Blues. Am 22. Februar führten wir unsere erste Veranstaltung im Kulturhaus „Alfred Frank“ in der Gießerstraße durch. Der Auftritt des Quartetts um Hubert Katzenbeier stellte den Beginn einer sehr erfolgreichen, einer wirklich kreativen Zusammenarbeit dar. Dank seiner engagierten Klubhausleitung, guter gastronomischer Betreuung und eines regen Publikumzuspruchs fanden hier tolle Jazzabende statt. Vom September an legten wir dabei Wert darauf, besonders die Leipziger Musiker zur Teilnahme zu animieren. Das gelang verschiedentlich sehr gut, zeigten besonders Musiker wie Werner Pfüller, Frieder Bergner, Günter Kiesant, auch ein junger Saxophonist namens Andreas Bicking, dass die Leipziger Szene nicht allein mit dem Namen Osiris erschöpft ist, sondern, dass mehr Potenzen in ihr stecken, dass dieser oder jener nur auf Spielgelegenheiten wartet. Doch zurück zum Frühjahr! Am 12. März ging der Jazzclub wieder einmal auf Tournee. Diesmal lautet der magische Begriff „Globe Unity Orchestra“ und so fuhren wir per Bus ins hauptstädtische TiP. Schließlich sieht man solch eine Anhäufung von Spitzenmusikern nicht alle Tage. Mangelsdorff, Wheeler, Schoof, Brötzmann, Schlippenbach und Co. enttäuschten uns auch nicht. Hautnah am musikalischen Geschehen saßen wir auf den Treppen des Theaters und wünschten uns diesen oder jenen der Akteure auch auf die Leipziger Podien. Kurzfristig wurde wenige Wochen später schon ein anderer Traum wahr. Dass es sich um die drei Herren des Ganelin-Trios handelte, machte uns besonders froh, waren sie doch seinerseits ziemlich das einzige, was wir von der Jazzszene „CCCP“ wussten. In der ersten Maihälfte fanden die 4. Leipziger Jazztage statt und für dieses Ereignis stellte man uns schon für drei der vier Tage die Kongresshalle zur Verfügung. Dabei begann das Festival mit einer Enttäuschung, denn von Wesselin Nikolov und seinen Mannen hatte man doch mehr erwartet. Versöhnt wurden wir dann doch, denn nach dem bewährten Trio Gumpert/Sommer/Hering brachte die Zerbe Blechband die Stimmung tatsächlich auf den Höhepunkt. Johannes Bauers „Feuertanz“ war der richtige Einstieg und darüber Dollar Brands „Jabulani-Easter Joy“ bis zur Zugabe gab es für Publikum wie Musiker keine Verschnaufpause. Weiter Höhepunkte dieser 4. Jazztage waren im Verlauf der nächsten Tage das Hammond/Hakim-Duo, Irene Schweizers Rathauskonzert sowie die beiden Schlusssets des Festivals, die österreichischen Neighbours sowie der Saxophonworkshop. Wer das Glück hatte, auch noch Karten zu den nächtlichen Veranstaltungen in der Moritzbastei erstanden zu haben, der erlebte Jam Sessions, die unvergesslich bleiben, die tatsächlich Maßstäbe setzten. Ob das Conny Bauer Quartett, eine Gruppe um Rüdiger Carl, Andy Altenfelder, Ulli Gumpert usw. oder gar jenes Quartett mit Hammond, Hakim, Irene Schweizer und Peter Kowald, alle waren sie in bester Spiellaune und das Publikum in der halbfertigen Tonne treib sie noch an. Sulaiman Hakim und seine Musiker ließen dabei förmlich den Geist John Coltranes über uns schweben. Mit Worten lässt sich das schwerlich beschreiben – glücklich, wer diese Sternstunden miterlebte! Noch vor unserer Sommerpause fand im Alten Rathaus ein weiteres Solokonzert statt. Der belgische Pianist Fred van Hove, eine der zentralen Figuren der europäischen Free Jazz Szene, gastierte mit großem Erfolg. Unsere nun schon auf etwa 300 angewachsene Mitgliederzahl zeugte einerseits von der weiter gestiegenen Beliebtheit unseres Jazzclubs, sie brachte aber auch gewisse organisatorische Schwierigkeiten mit sich. Die bisher von uns verschickten Ormig-Rundschreiben schienen uns nicht mehr ausreichend zur umfassenden Information. So entstand die Idee, ein vierseitiges Info-Blatt zu drucken, mit dem Namen „Jazzreport“ zu versehen und zu verschicken. Die Nummer 1 erschien im September 1979 und im zweimonatigen Rhythmus wurde das fortgesetzt. In einem gesonderten Beitrag gehen wir noch ausführlich auf unseren „Jazzreport“ ein. Schließlich brachte uns das letzte Quartal noch weitere interessante Konzerte mit dem Altenfelder Quintett, dem Brötzmann Trio, Alexander von Schlippenbach und dem Evan Parker Trio.

Unsere Gäste des Jahres 1979 im Überblick

4. Februar, Capitol

· Little Willie „Littlefield“ (USA/p, voc)

8. Februar, Lindenfels

· Konrad Bauer Quartett: K. Bauer (tb), Uwe Kropinski (g), Wolfgang Musick (b), Peter Gröning (dr)

22. Februar, Kulturhaus Alfred Frank

· Hubert Katzenbeier Quartett: Katzenbeier (tb), Rainer Gäbler (bs, fl), Horst Melzer (b), Rainer Riedel (dr)

4. März, Lindenfels

· Frank Edwards (USA/p, voc)

29. März, Lindenfels

· Sister Mable Franklin (USA/p, voc)

4. April, Capitol

· K. Bauer, Peter Brötzmann (BRD/ts, cl), Ernst-Ludwig Petrowsky (as, ss, cl), Ulrich Gumpert (p), Harry Miller (Südafrika/b), Günter Sommer (perc)

5. April, Alfred Frank

· Hermann Keller (p), Manfred Schulze (bs, cl)

20. April, Lindenfels

· Freidhelm Schönfeld (ts, acl), Aladar Pege (Ungarn/b), Dieter Keitel (dr)

24. April, Schauburg

· Vyacheslav Ganelin Trio (UdSSR): Ganelin (p, bass, synth), Wladimir Tschekasin (as, cl), Wladimir Tarassow (dr)

4. Leipziger Jazztage

10. Mai, Kongresshalle

· Wesselin Nikolov Quintett (Bulgarien): Nikolov (ts, ss, perc), Peter Djukov (p, e-p), Ognyan Videv (g), Pesho Konov (e-b), Todor Kaptebilev (dr)

· Gumpert/Sommer/Hering: Gumpert, Sommer, Manfred Hering (ts, as, ss)

· Hannes Zerbe Blechband: Hannes Zerbe (p), Boy Raaymakers (Niederlande/tp), Peter Kowald (BRD/tu), Andreas Altenfelder (tp), Johannes Bauer (tb), Frieder Bergner (tu, alto, tu), Dietrich Unkrodt (tu), Wolfgang Stahl (horn), Helmut Sachse (g), Christoph Winckel (b), Wolfram Dix (dr)

11. Mai, Kongreßhalle

· Andreas Altenfelder Quintett: Altenfelder, J. Bauer, Heiner Reinhardt (ts, bcl), Winckel, Dix

· Doug Hammond Duo (USA): Hammond (dr), Sulaiman Hakim (as,ss)

· Internationale All Star Band: Laco Deczi (CSSR/tp), K. Bauer, Schönfeld, Rudolf Dašek (CSSR/g), Pege, Janusz Stefanski (Polen/dr)

12. Mai, Altes Rathaus

· Irene Schweizer (Schweiz/p)

12. Mai, Capitol

· Fusion und Gäste: Wolfgang Fiedler (p), Hans-Joachim Graswurm (tp, flh), Max Pflugbeil (tp), Hermann Anders (tb), Bernd Swoboda (tb), Volker Schlott (ts, ss, fl), Gäbler, Gerhard Eitner (g), Matthias Kühne (b), Klaus Döring (dr), Regine Dobberschütz (voc), Hansi Klemm (voc)

13. Mai, Kongresshalle

· Kropinski-Gröning-Duo

· Jiri Stivin (CSSR/ts, ss, fl, tapes)

· Neighbours (Österreich): Dieter Glawischnig (p), Ewald Oberleitner (b), John Preininger (dr, perc)

· Internationaler Saxophon Workshop: Rüdiger Carl (BRD/concertina, as, ts), Hering, Petrowsky (ss, as, ts), Schweizer, Kowald (b), Sommer

Zu den Session Sessions in der Moritzbastei spielten u.a. J. Bauer, Gröning, Musick, Kropinski, Altenfelder, Reinhard, Dix, Winckel, Hakim, Hering, Schweizer, Kowold, Hammond.

4. Juni, Kongresshalle

· Mama Basuto: Eberhard Stolle (voc), M. Malditz (as, g, voc), Bergner (tb), F. Stoisloff (g), Dieter Pampel (b-g), Dix

· Jürgen Kerth Trio

· Stefan Diestelmann (g, harm, voc)

22. Juni, Altes Rathaus

· Fred van Hove (Belgien/p)

20. September, Alfred Frank

· Frieder Bergner Formation und Gäste: Bergner, Hering, Andreas Bicking (ts), Dix, sowie Werner Pfüller (tp), Günter Kiesant (dr), Matthias Philipp (dr)

8. Oktober, Kongresshalle

· Andreas Altenfelder Quintett

· Peter Brötzmann Trio: Brötzmann, Miller Sommer

18. Oktober, Alfred Frank

· Frieder Bergner Formation und Gäste: Bergner, Hering, Sachse, Winckel, Dix, sowie Pfüller, Henry Walther (tb)

22. November, Altes Rathaus

· Alexander von Schlippenbach (Westberlin/p)

4. Dezember, Lindenfels

· Evan Parker Trio: Parker (GB/ts, ss), Kowald, Sommer

12. Dezember, Alfred Frank

· Roberts Jazz Gesellschaft (Karl-Marx-Stadt): Wolfgang Martick (cl, ts), Michael Wächtler (tp), Gregor Kuhn (tb), Günter Bernitz (p, voc), Hermann Schreiter (b), Friedrich Naumann (bj, g), Jürgen Gerling (dr).

 

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